Schon wiederholt musste Markus Graf als erzählerischer Anker dienen, so auch diesmal, da er in einem besonders perfiden Fall die Strippen zieht. Faber (Jörg Hartmann, r.) und sein Gegenspieler Graf (Florian Bartholomäi).
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BerlinEs gibt Einstiegsszenen, bei denen einem sofort klar ist, was gleich passieren wird. Ist zu Beginn eine glückliche Familie zu sehen, muss man davon ausgehen, dass ihr Schlimmes bevorsteht. So kommt es dann auch: Die sechsjährige Mia, Tochter von Kommissar Pawlak, wird entführt. Faber findet auf seinem Schreibtisch ein Foto des Mädchens. Er weiß, was das bedeutet. Dahinter kann nur Markus Graf stecken, der Mörder von Fabers Frau und Tochter. Zuletzt war er aus der Haft geflohen, um die Ermittler in Dortmund mit seinen kranken Psychospielchen zu tyrannisieren. Dieser finsteren Figur Graf verdankt sich Fabers Trauma, das er von Anfang an mit sich herumschleppt und nur mit Pharmaka halbwegs in den Griff bekommt.

Schon wiederholt musste Markus Graf als erzählerischer Anker dienen, so auch diesmal, da er in einem besonders perfiden Fall die Strippen zieht. Eine junge Frau, offenbar ein früheres Missbrauchsopfer, hat ihren Peiniger getötet. Als die Polizei am Tatort eintrifft, hockt sie neben der Leiche und verlangt, mit Faber sprechen zu können. Es gibt keinen Hinweis auf ihre Identität.

Das alles wird sich aufklären, was aber diesen Dortmunder „Tatort“ zumindest zweifelhaft macht, ist sein Umgang mit dem – man muss es leider so sagen – beliebten Thema Kindesmissbrauch. Immer wieder wird die verängstigte Mia, die über eine Pädophilen-Seite im Darknet versteigert werden soll, groß im Bild gezeigt. Der mehrfach preisgekrönte Regisseur Torsten C. Fischer zwingt den Zuschauer, ihr in die Augen zu sehen und sich vorzustellen, was ihr bevorsteht.

Es ist eine Zumutung, die der Zuschauer nicht braucht, um die Widerwärtigkeit eines solchen Verbrechens zu begreifen. Schon weil man weiß, dass die kriminelle Wirklichkeit noch viel schlimmer ist. Es gibt im Film eine Szene, in der ein Junge halb nackt und zitternd vor seinem Peiniger gerettet wird. Natürlich wird das alles sehr sensibel und sorgsam inszeniert worden sein. Das ist nicht die Frage. Kinder   sollten auch vor einem dramaturgischem Missbrauch geschützt werden.

Tatort – Monster. Sonntag, 2.2.2020, 20.15 Uhr, ARD