Dresden - Ob verwirrte Obdachlose, volltrunkene Teenies oder prügelnde Fußball-Hooligans – die Rettungssanitäter stehen Schicht für Schicht an „vorderster Front“. So jedenfalls beschreibt es der schwer gezeichnete Dresdener Dienststellenleiter (Torsten Ranft). Sie sollen und wollen helfen – doch immer öfter werden sie beschimpft, bedroht oder körperlich angegriffen. Der harte Job der Sanitäter würde Stoff für packende Reportagen hergeben – doch ein fiktiver „Tatort“ ist ungleich wirksamer, erreicht nun mal neun bis zehn Millionen Menschen.

Im Dresdener Fall „Rettung so nah“ entdecken die Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) ihre Gemeinsamkeiten mit den Frauen und Männern aus dem Rettungswagen. Schließlich werden auch sie oft gerufen, wenn es Opfer und Verletzte gibt, sind physisch wie psychisch genauso beansprucht. Geklärt werden muss der brutale Mord an einem Sanitäter, der aus Syrien stammt und am Elbufer in seinem Rettungswagen erstickt wurde. Selbst Kripo-Leiter Schnabel (Martin Brambach) denkt zunächst an einen Ausländerhasser als Täter – zur Silhouette der Dresdener Elblandschaft assoziiert man seit 2015 unweigerlich die fremdenfeindlichen Aufmärsche. Doch nach dem nächsten Anschlag auf ein Rettungswagen-Team ist klar – die Einsatzkräfte sind das Ziel.

Die Kommissarinnen begleiten sie im Wagen, Notruf 110 hilft Notruf 112. Die pulsierenden Elektro-Klänge von Dürbeck und Dohmen unterstreichen die permanente Anspannung. Gorniak muss unterwegs sogar mal die Waffe ziehen. Die angeschlagene Kommissarin ackert so lange im Dienst, bis sie am Schreibtisch einschläft. Im Zentrum aber steht von Beginn an die Sanitäterin Greta, eine alleinerziehende junge Frau, die zuletzt mit dem syrischen Kollegen im Rettungswagen saß. Sie steht besonders unter Druck, seit unter ihren Händen ein kleines Mädchen starb, das so alt war wie ihre Tochter. Wird sie wirklich verfolgt oder steht sie unter dem Einfluss von Drogen?

Luise Aschenbrenner, seit gut drei Jahren am Dresdener Staatsschauspiel engagiert, kann in dieser Rolle nachdrücklich auf sich aufmerksam machen: Greta zeigt Stärke und Eifer im Dienst, wirkt privat aber sehr verloren. Gegenüber diesem einfühlsamen Psychogramm fällt die eigentliche Krimihandlung, erdacht von Christoph Busche, inszeniert von Isabel Braak, beide „Tatort“-Neulinge, leider etwas ab. Der Fall hat deutlich weniger Thrill als die Vorgänger aus Dresden, falsche Fährten sind schnell als solche erkennbar. Aber wenn „Rettung so nah“ es schafft, mehr Respekt und Aufmerksamkeit für die Rettungssanitäter zu erzeugen, dann hat der Film deutlich mehr erreicht als die allermeisten TV-Krimis.

„Tatort: Rettung so nah“ – So, 7.2., 20.15 Uhr, ARD