Der Fall

Hans-Jochen „Hajo“ Lohmann (Peter Trabner) sitzt gefesselt auf einem Stuhl, während seine Frau Birgit (Katharina Marie Schubert) mit einer Waffe auf ihn zielt. Was zunächst nach einer bedrohlichen Situation aussieht, ist tatsächlich der Versuch eines Versicherungsbetrugs. Da ihre Firma Lohmann Solar Technology fast pleite ist und sie ihre Angestellten bald nicht mehr bezahlen können, versuchen sie mit dem fingierten Überfall eine finanzielle Entschädigung für ihre gestohlenen seltenen Erden zu erhalten.

Damit es auch danach aussieht, schießt Biggi ihrem Liebsten zögerlich in den Oberschenkel, dummerweise betritt in diesem Moment ihr Angestellter Jürgen den Raum und liegt kurze Zeit später als Kollateralschaden mit einem Loch im Kopf auf dem Boden. Ohne einen Funken Reue setzt die Mörderin ihre vermeintlich ahnungslose Maske auf und führt die Ermittler an der Nase herum.

Die Auflösung

Da sich Regisseurin und Autorin Emily Atef dafür entschied, die Mörderin unmittelbar zu Beginn des Tatorts preiszugeben, lag die eigentliche Auflösung im Prinzip darin, die Ermittler dabei zu begleiten, wie sie Biggi auf die Schliche kommen und sie letztendlich überführen. Während sie die gesamte Folge lang ihrer falschen Fährte folgen, lösen sie am Ende innerhalb von gefühlten drei Sekunden dann doch ganz plötzlich den Fall. Hajo ist grade aus dem Krankenhaus entlassen worden, Biggi ist total glücklich, dass sie ihren Liebsten wieder hat – die Welt scheint wieder in Ordnung.

Doch Janneke und Brix bemerken auf einmal – nachdem sie sich die Aufzeichnungen der Überwachungskamera in der Vergangenheit im Verlauf der Ermittlungen schon ungefähr fünfzig Mal angesehen und keine Auffälligkeiten festgestellt haben: der Mitschnitt wurde manipuliert. Und schlagartig entdecken sie anhand der Bilder zudem noch, dass der Lieferwagen, in dem angeblich die Beute abtransportiert wurde, leer zu sein scheint. So wird der Fall, nachdem man sich ein wenig gelangweilt durch die Folge geschleppt hat, leider wenig glaubwürdig in den letzten paar Minuten dann doch noch gelöst.

Was ebenfalls einer Auflösung bedarf, ist die Frage nach Birgits akkuraten und beeindruckenden Schießkünsten. Auch das wird ganz zum Schluss beantwortet: Das Hochzeitsvideo, das sich die beiden zur Feier des Tages ansehen wollten, verrät, dass Biggi vor einigen Jahren eine hochtalentierte Schützenkönigin war und deshalb im Umgang mit Waffen sehr erprobt ist.

Die Kommissare

Die Kommissare Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) ermitteln nun schon seit fünf Jahren in Frankfurt – „Falscher Hase“ ist ihr 10. Fall. Doch ausgerechnet zum Dienstjubiläum scheinen sie nur nebensächliches Beiwerk zu sein, denn Schauspielerin Katharina Marie Schubert stiehlt ihnen in der Rolle der Birgit Lohmann mühelos die Show.

Ohne einen Funken Skepsis schlucken sie den im wörtlichen und übertragenen Sinne falschen Hasen, den sie ihnen auftischt, und lassen sich damit unverständlicherweise vollkommen fehlleiten. Nur Brix zögert, als sie ihm das Gericht anbietet und signalisiert damit, dass sie ihm wohl nicht ganz geheuer ist. Abgesehen von diesem einen kritischen Moment stellen sie für Biggi aber keine wirkliche Gefahr dar und haben damit leider keine besondere Bedeutung für die Handlung.

Fazit

Leider überzeugt der hessische Tatort „Falscher Hase“ nicht besonders: Es ist keine klare Linie zu erkennen und macht den Eindruck, als solle durch willkürliche Plot-Entwicklungen die oft schwindende Spannung aufrechterhalten werden.

Da Janneke und Brix sich vornehm zurückhalten und alles, was ihnen aufgetischt wird, so hinnehmen, mangelt es ziemlich an Dramatik und Nervenkitzel. Die beiden waren während der gesamten Folge weit weg davon, Biggi auch nur irgendwie auf den Fersen zu sein. Außerdem scheint es wenig realistisch, dass sie, die vermutlich ihre erste, derart brutale, Straftat begangen hat, ein kriminelles Superhirn ist, das die Kommissare ohne großen Aufwand in dem Maße fehlleiten kann.

Den humoristische Ansatz des Falls hätte man ruhig auf die Spitze können: Er fand mit dem Hochzeitsvideo von Hajo und Biggi, eines ulkigen aber doch sehr liebevollen Paars, zwar ein würdiges Ende, Atef hielt sich darüber hinaus mit Groteske aber leider ziemlich zurück.

Inhaltlich ist ansonsten leider nicht viel zu bieten, denn eigentlich sah man der Täterin nur dabei zu, wie sie sich von einem zum nächsten Problem hangelte, es löste und dabei vielleicht noch jemanden abknallte – natürlich mit einem perfekten Schuss ins Zentrum der Stirn.