Trotz aller Probleme haben die Kommissare Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) doch Zeit für eine Wurstpause. 
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KölnWas in diesem "Tatort" passiert, das wurde vor knapp einem Jahr in dieser Kolumne schon einmal angedeutet, ja sogar gefordert. Im Kölner Fall "Kaputt" hatte Kommissar Ballauf (Klaus J. Behrendt) eine Streifenpolizistin erschossen, die ihren erschlagenen Kollegen rächen wollte und schon die Pistole auf die Täterin gerichtet hatte. Wir hatten in der Sonntagskrimi-Kolumne gefragt, ob TV-Polizisten nach solch einem traumatischen Erlebnis immer in der nächsten Folge so weiterarbeiten müssen, als wäre gar nichts geschehen. Im aktuellen Fall ist Kommissar Ballauf nun tatsächlich noch schwer gezeichnet von seinem damaligen Todesschuss. 

Die befreundete Psychologin (Juliane Köhler) schweigt er vierzig Minuten lang an, auch von seinem gröberen Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) will er nichts wissen. Als er im Dienst ins Haus eines erschossenen Psychiatrieprofessors gerufen wird, übergibt er sich erst mal in der Toilette und legt sich dann im Schlafzimmer nebenan aufs Bett. Immer wieder und überall taucht die getötete Kollegin vor seinen Augen auf, ob im Schwimmbad oder am Schießstand – Anna Brüggemann kehrt als stummer Geist in Uniform zurück.

Während der traumatisierte Max Ballauf für die Kollegen nicht ansprechbar bleibt, findet er schnell Kontakt zu einer jungen Frau, die auf eine ganz andere Art gefangen ist. Borderlinerin Julia (Frida-Lovisa Hamann) war vom getöteten Psychiater in die geschlossene Abteilung eingewiesen worden, musste ihr neugeborenes Kind bei ihrer Schwester lassen, deren Mann (Andreas Döhler) wiederum der Anwalt des Professors war. Dass diese Konstellation problematisch ist, liegt auf der Hand. Mehr als um den Fall kümmert sich Ballauf darum, die junge Frau aus der Psychiatrie zu befreien.

Der Krimi der Regisseurin Isa Prahl kommt den beiden sehr nahe. Immer wieder filmt die Kamera das zerknitterte Gesicht von Klaus J. Behrendt so ab, als würde eine Drohne ein Gebirge überfliegen. Patientin Julia wiederum wird nachts von einem Pfleger heimgesucht, der sie heimlich mit dem Smartphone filmt. Das Potenzial der Psychiatrie als Thriller-Schauplatz wird ansonsten aber nicht ausgereizt. Die ganz große Spannung kommt in diesem Kölner Krimi nicht auf, das Buch von Christoph Wortberg hat aber wenigstens zum Finale eine Pointe zu bieten.

Dank der sorgfältigen Bildgestaltung und der starken Schauspieler, neben Klaus J. Behrendt und der Newcomerin Frida-Lovisa Hamann auch Andreas Döhler als schwer greifbarer, selbstsicherer Anwalt, ist "Gefangen" aber gehobener Durchschnitt. Und Kommissar Max Ballauf, so viel sei verraten, wird sich im nächsten Fall bestimmt wieder voll motiviert in seinen Dienst stürzen.

Tatort: Gefangen – So, 17. 5. 20.15 Uhr, ARD