Ralf Jäger-Vosen, Inhaber der Wurstbude aus dem Kölner „Tatort“.
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KölnDer Dichter Ernst Jandl hielt das bescheidene Wort Wurst für eines der schönsten der deutschen Sprache und dichtete gleich drauflos: „die schinke und das wurst im kühlschrank drin/der schöne deutsche wort im kühlschrank drin/das schönsten deutschen wort, die wört der deutschen schön/das wurst die schinke plus kühl wodka von die russ“, heißt es in Jandls „kaltes gedicht“. Inzwischen aber verfestigt sich der Eindruck, dass weder Wodka noch eine gut gewürzte Bratwurst den rasenden Niedergang des fleischproduzierenden Gewerbes aufhalten können – Tönnies, Sie wissen schon.

Zu all dem Ekel, den zuletzt die Berichte über Tiertötung und -zerlegung in Schlachtbetrieben hervorgerufen haben, kommt nun auch noch eine schlechte Nachricht aus Köln. Die Imbissbude Wurstbraterei, hinreichend verklärt als seriell wiederkehrendes Element der Krimiserie „Tatort“, stellt demnächst den fetttriefenden Betrieb ein. Der 66-jährige Gastronom Ralf Jäger-Vosen gibt auf. Corona sei es nicht allein. Nach dem Tod der Tochter im vergangenen Jahr habe das Betreiber-Ehepaar keinen Nachfolger für das formschöne Modell aus dem Jahr 1954 gefunden, das seit 20 Jahren ein fester Anlaufpunkt für die Tatort-Ermittler Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) ist, wie laut und dringlich die Appelle auch geworden sein mögen, gefälligst auf regelmäßigen Fleischkonsum zu verzichten.

Dabei gibt es sie doch, die gute Wurst, wie Wolfger Pöhlmann, ein früherer Institutsleiter des Goethe-Instituts, bissig-kraftvoll in seiner umfangreichen Kulturgeschichte der Wurst (Knaus-Verlag) ausgeführt hat. Die Wurstbraterei soll nun in ein Museum, es gibt gleich mehrere Interessenten. Wie der „Tatort“ damit fertig wird, hat Klaus J. Behrendt seinem Leipziger „Tatort“-Kollegen Martin Wuttke vor einiger Zeit bereits vorgeführt. Behrendt lud den hungrigen Wuttke zu einem „halven Hahn“ ein. Der nahm dankend an, blickte dann aber entsetzt auf, als er schließlich ein muffiges Käsebrötchen auf dem Tablett vorfand.