Der Fall

Als die Schwesternschülerin Anika Jahn (Lucie Hollmann) nach ihrem Einsatz bei „Mediziner für Asyl e.V.“ (Mefa) ins Schwesternwohnheim zurückkommt, findet sie ihre Freundin und Zimmernachbarin Vanessa Bohn nackt in ihrem, Anikas, Bett vor. Jemand hat sie mit einem Bademantelgürtel erdrosselt.

Die frischgebackene Kommissarin Mia Emmrich (Sandra Maren Schneider) und Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) machen sich auf den Weg zum Schwesternwohnheim.

Die Auflösung

Zusammen mit Anika Jahn hatte sich Vanessa Bohn ebenfalls bei „Mefa“ engagiert. Da Bohn aber mehr an den jungen Ärzten als an der Flüchtlingshilfe interessiert war, warf die Gründerin Annemarie Bindra (Franziska Schubert) sie raus.

Vanessa wollte die Zurückweisung nicht auf sich beruhen lassen und recherchierte in Bindras Vergangenheit. Sie findet heraus, dass die vermeintliche Medizinerin eine Hochstaplerin ist. Sie hat ihr Medizinstudium nie abgeschlossen und ist somit als Ärztin gar nicht zugelassen. Weil Vanessa droht, sie zu entlarven, hat Bindra sie ermordet.

Die Handlung

Das Drehbuch von Michael Vershinin und Zoltan Spirandelli setzt eine Geschichte in den Mittelpunkt, die mit der Auflösung des Falls nur marginal zu tun hat. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem jungen Flüchtling Kamal Atiya (El Mehdi Meskar). Als koptischer Christ ist er aus Ägypten vor Verfolgung nach Deutschland geflohen. Hier ist er aber nur geduldet. Um sein Bleiben zu garantieren, ist er mit Ulrich Hesse (Christian Intorp) von der Ausländerbehörde einen Pakt eingegangen.

Durch seine Arbeit als Fahrer bei „Mefa“ notiert er sich die Namen und Adressen illegaler Einwanderer. Diese gibt er an Hesse weiter. Im Gegenzug gewährt dieser ihm und seinem kleinen Bruder Ayoub Schutz vor der Abschiebung. Als Anika Jahn sein doppeltes Spiel erkennt, fühlt sich Atiya in der Zwickmühle. Er versucht zusammen mit seinem Bruder unterzutauchen. Was eigentlich ein Krimi sein soll, artet in ein spannungsloses Drama aus. Hier hat Regisseur Zoltan Spirandelli klar das Genre verfehlt.

Der erste und der letzte Akt

„Der Pakt“ ist Sandra Maren Schneiders erster Fall als frischgebackene Kommissarin Mia Emmrich. Sie spielt diese als leicht aufgeregte, aber grundsolide Kommissarin, die sich in ihrer neuen Position sichtlich wohl fühlt. Hauptkommissar Stellbrink nimmt sie immer wieder an die Hand und lässt ihr unter anderem bei der Belehrung von Verdächtigen den Vortritt.

Gleichzeitig ist dies Devid Striesows letzter Fall als Hauptkommissar Stellbrink. Vielleicht war seine wenig überzeugende, gewöhnungsbedürftige, teils affektierte Spielweise der Grund, warum man sich von Striesow getrennt hat. Es bleibt abzuwarten, wie sich Schneider als neue Kommissarin weiter in das Team einfügt.

Logik

Dass man als Fahrer ohne Freisprechanlage im Auto nicht telefonieren darf, weiß jeder. Warum kommt Kamal Atiya dann auf die Idee, während der Fahrt mit dem Handy am Ohr durch die Saarbrücker Innenstadt zu fahren? Ein riskantes Unterfangen. Nicht nur, weil ihn die Polizei kurz zuvor in einer Verkehrskontrolle angehalten hat. Zudem hat er eine illegal eingewanderte, kranke Frau auf dem Rücksitz liegen. In so einer Situation sollte doch Vorsicht über alles gehen.

Fazit

Es werden zu Anfang des Films viele sehr offensichtliche Fährten gelegt von denen am Ende keine zur Auflösung führt. Natürlich nicht. So platt ist die Storyline dann doch nicht, dass sie den Zuschauern die Lösung so offensichtlich präsentiert. Trotzdem ist „Der Pakt“ die Sendezeit nicht wert.

Die Figuren sind oberflächlich gespielt. Franziska Schubert kauft man die Rolle als ambitionierte Ärztin mit Herz gar nicht erst ab. Zu gekünstelt ist ihre Aufregung, zu gleichgültig ihre scheinbare Sympathie für die Patienten. Die Geschichten der Flüchtlinge sollen wohl Mitgefühl erzeugen, aber der Krimi präsentiert nur weinerliche, austauschbare Charaktere. Empathie vermittelt der Film so nicht.