Köln - Die Schweizer Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) stolpern bei Mordermittlungen unverhofft in eine Geiselnahme.

Der Fall

Lacksplitter sind die Fingerabdrücke des Autos, behauptet die Expertin von der Spurensicherung keck und präsentiert den Luzerner Ermittlern Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) stolz den Verdächtigen: einen Maserati von der Sorte, wie ihn Führungskräfte der Firma Swisscoal gerne fahren. Als die Kommissare dann beim Swisscoal-Chef Anton Seematter (Roland Koch) nachfragen wollen, ob er eine lokale Unidozentin ermordet und auf der Flucht verräterische Autospuren hinterlassen hat, platzen sie unverhofft in eine Geiselnahme. Ein deutscher Lööli (Misel Maticevic), der bei einer Swisscoal-Übernahme seinen Arbeitsplatz verloren hat, will sich bei Seematters zu Hause eine außerplanmäßige Lohnfortzahlung bis zur Rente sichern.

Die Auflösung

Die Unidozentin wurde von der verzogenen Tochter ermordet, nachdem Papa ihr selbst mit 100000 Franken keine Versetzung erkaufen konnte. Das Mörder-Gen muss sie von der Mutter haben, denn die erledigt kaltblütig Ehemann und Geiselnehmer und lässt es halbwegs überzeugend wie einen Unfall aussehen. Dabei hatten sich die Männer gerade erst zusammen gerauft und gemeinsam ein Bier getrunken. Wie im Film Noir sind die Frauen die wirkliche Bedrohung – Danke für die Warnung.  

Die Kommissare

Im Tatort-Universum gehören Stefan Gubser und Delia Mayer als Flückiger und Ritschard zu den vergleichsweise gemütlichen Ermittlern – dass Flückiger den Konzertbesuch mit seiner Ehefrau schwänzt, um einen Verbrecher zu verfolgen, ist schon der Schweizer Gipfel der Aufmüpfigkeit. Das nächste Mal geht er bestimmt brav mit, denn angeschossen zu werden, ist kein Spaß. Und Ärger mit dem Vorgesetzten droht obendrein: „Das gibt ein Disziplinarverfahren“, ist das erste, was Flückigers Chef einfällt, als Ritschards Notruf ihn erreicht.

Der deutsche Depp

„Schön habt ihr es hier“, sagt der deutsche Geiselnehmer am Schluss, „aber es war trotzdem eine Scheißidee hierher zu kommen.“ Da hat Mike Liebknecht (Misel Maticevic) allerdings Recht, denn sein Plan wäre selbst bei bestmöglichem Verlauf nie und nimmer aufgegangen. Bei einer Verzweiflungstat würde das auch niemand erwarten, aber leider wirkt die Figur weniger verzweifelt als begriffsstutzig. Erst muss sich Liebknecht von seiner Geisel die korrekte Lösegeldsumme vorrechnen lassen, dann wird er auch noch mit einem Bauerntrick hinters Licht geführt. Da fragt man sich natürlich, was uns die Schweizer damit sagen wollen? Vermutlich, dass sie sich überhaupt nur zu Hochdeutsch herablassen, damit wir auch mal was kapieren.

Fazit

Selten wurde ein Sozialdrama so konsequent an die Komödie verraten. Im Grunde geht es im Luzerner „Tatort“ nämlich um den Aufstand eines Abgehängten, der sich seinen versprochenen Anteil vom allgemeinen Reichtum zurückholen will. Allerdings trifft er dabei auf eine dekadente Oberschicht, die buchstäblich über Leichen geht, und auf einen Regisseur, der das alles weder ernst nehmen noch in eine Farce verwandeln kann. Wenn man es positiv sehen will: Die Schweizer haben es faustdick hinter den Ohren, aber sie können es irgendwie nicht richtig rüber bringen.