„Tatort“-Kritik: Spannende Krimi-Ware aus Köln

Worum ging es?

Natascha Klein, Chefin der Kölner Internet-Partneragentur „Lovecast“, wird erschlagen in ihrem Büro aufgefunden. Neben der Leiche liegt ein Umschlag mit 50 000 Euro. Erste Nachforschungen der Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) ergeben: Hinter der blendenden Fassade der Agentur mit der spinnerten, aber offensichtlich recht erfolgreichen Geschäftsidee, passende Paare durch einen ausgeklügelten Algorithmus zu ermitteln, liegt einiges im Argen: Es gibt unzufrieden-böse Kunden, ein Heiratsschwindler zockt drei paarungswillige Frauen ab, und die ermordete Chefin hatte eine Affäre. Schließlich: Ihr Ehemann wusste von diesem außerehelichen Engagement, und sein Alibi, eine Chinareise, wackelt. Die Kommissare suchen folglich in vielen Richtungen – einige dieser Gleise stellen sich dann als tot heraus – und akzeptieren auch das Angebot der naiv-taffen Aushilfsassistentin Gabi (Kathie Angerer), für den Heiratsschwindler bei Lovecast den Lockvogel zu geben.

Wer war der Täter?

Selbstredend nicht einer der Hauptverdächtigen, sondern der Hausmeister der Agentur – gleichzeitig der Gespiele der Chefin, die sich jedoch von ihm trennen wollte. Was er wiederum nicht ertragen konnte. Schwer begreiflich allerdings, was die smarte Frau Klein (Suzan Anbeh) an diesem Täto-Prolo hatte finden können.   

Wie waren die schauspielerischen Leistungen?

Solide, nicht exorbitant. Eine der betrogenen Frauen (Judith Engel) gab immerhin das eindrucksvolle Exempel einer psychedelischen Verhärmung. Und die Kölner Kommissare sind halt, wie sie sind. Aber die geschickte Damaturgie zog alle Darsteller mit.

Die besten Sätze?

„Dass wir beide beim Schlafen gern das Fenster offen haben“ (Schenks Antwort auf Ballaufs Frage, woran man eine gute Beziehung erkenne).

Was nervte am meisten?

Das seriennotorisch-überflüssige Geturtel zwischen Ballauf und der Kriminalpsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler).

Das Fazit:

Ein bemerkenswert frischer, dichter, spannender und auch einigermaßen fantasievoller „Tatort“ ganz ohne verquält-aufgesetzte Sozialproblematik. Angesichts der häufig qualitätsermäßigten Krimi-Ware aus Köln bedurfte es aber wohl auch keiner übermenschlichen Anstrengung, hier mal Flagge zu zeigen.