Der Fall

Die Handlung des mehr als zwei Stunden langen Kino-„Tatorts“ zu beschreiben ist ein fast aussichtsloses Unterfangen. In aller Kürze: Nach seinen Alleingängen im Zusammenhang mit dem Ausbruchsversuch seines Erzfeindes Firat Astan und der Ermordung seiner Exfrau wurde der LKA-Ermittler für eine Weile außer Dienst gesetzt.

Doch ruhiger wurde es für ihn nicht, denn seine Tochter Lenny (Schweigers Tochter Luna) verschwand. Sie hatte sich auf den Weg nach Istanbul gemacht, um Astan zu töten. Als Tschiller ihr Handy in der Türkei ortete, machte er sich auf den Weg, um sie zurückzuholen. Höchste Zeit, denn Lenny hatte dann doch nicht den Mut abzudrücken. Stattdessen geriet sie in die Fänger russischer Gangster, die sie nach Moskau verschleppten.

Die Lösung

Mit dem klassischen Ermittler-Krimi („Wo waren Sie gestern Abend um 22 Uhr?“) hatte dieser Film nichts zu tun. Die Bösen waren alle so böse, die Guten so gut, dass die Rollen von Anfang bis Ende klar verteilt waren. Es ging nur darum, ob es Nick Tschiller gelingen würde, seine Tochter rechtzeitig zu finden, um ihr die implantierte Bombe zu entfernen. Oh Wunder, es gelang. Der Teufelskerl Tschiller operierte sie ihr dann auch noch gleich selbst heraus.

Die Kontroverse

So richtig gut lief es ja für Til Schweiger in seinem ersten Kino-„Tatort“ nicht. Nur rund 280.000 Besucher wollten den Film sehen. Jetzt zeigte die ARD den Film erstmals im Free-TV, allerdings mitten in der „Tatort“-Sommerpause. Ein Sendetermin,  der dem Filmstar so gar nicht gefiel. In der Sommerferienzeit gelten TV-Premieren wegen der insgesamt niedrigeren Einschaltquoten als schwierig. „Bitter“ nannte Schweiger in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ die Entscheidung für den Sendeplatz. „Ich weiß, wie das jetzt ausgeht: Der Film wird vielleicht drei oder vier Millionen Zuschauer machen, und dann schreiben alle: Der Tatort ist im Kino gefloppt, jetzt floppt er auch im Fernsehen“, so Schweiger.

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber verwies darauf, dass der 130-minütige Streifen nur an einem Sonntagabend ohne „Anne Will“ gezeigt werden könne. „Im Übrigen ist der Sonntag nach dem WM-Viertelfinale kein ganz schlechter Platz.“ Die Stimmung zwischen Schweiger und der ARD war schon immer eher angespannt, nun scheinen sich die Gräben zu vertiefen.

Fazit

Nicht kleckern, sondern klotzen war das Motto dieses aufgeblasenen Spielfilms. Vermutlich würde Til Schweiger gerne als eine Art deutscher James Bond wahrgenommen. Doch die Handlung wirkte extrem konstruiert und vollkommen sinnfrei, der Film war viel zu lang und ermüdete durch eine Aneinanderreihung wilder, austauschbarer Ballerszenen. Vielleicht fühlte sich gut unterhalten, wer den Kopf ausschaltete und auf wilde Action steht, alle andere dürften sich mit „Off Duty“ schwer getan haben. Aber immerhin sorgte Fahri Yardim als Tschillers Freund und Kollege Yalcin Gümer für einige selbstironische Momente.