Berlin - Am Wochenende ist es mit der Besinnlichkeit im ARD-Abendprogramm schon wieder vorbei. Rau sind im „Tatort“ und im „Polizeiruf 110“ bereits die Schauplätze: Ludwigshafen und Magdeburg sind zwei Industriestädte am Fluss, mit alten Hafenanlagen und Speichern. Beide Kommissarinnen lassen sich auf riskante Psycho-Duelle ein, fordern ihre männlichen Chefs heraus, bringen sich selbst in Gefahr und müssen letztlich blutig büßen. Ihre nächtlichen Einlagen sind zwar gegen jede Vernunft und Dienstvorschrift – aber immer wieder spannend und telegen.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), zum 72. Mal in Ludwigshafen im Einsatz, könnte in einem Routinefall Dienst nach Vorschrift schieben. Das Opfer, ein angeberischer Klubbesitzer, war nachts aus seinem Ferrari gezerrt und von einer Baggerschaufel tot aus dem Sand gezogen worden. Er hatte sich mit den Platzhirschen der Türsteher-Szene angelegt. Zwei Dinge treiben die Kommissarin an: Zum einen die demonstrative Herablassung, mit der sie und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) von den Machotypen der Security-Branche behandelt werden. Der Chef des Unternehmens Keep Clean (Thure Riefenstein) rät ihr sogar, sich aus dem Fall zurückzuziehen. Zum anderen ist sie emotional involviert: Sie kümmert sich um die zehnjährige Tochter des Toten, nachdem die Mutter überfallen und schwer misshandelt worden ist. Autor und Regisseur Tom Bohn ist die Motivierung seiner Heldin gut gelungen. Aufgesetzt wirken allerdings die Ausflüge zum Polit-Thriller. So muss der Security-Boss mit dem rheinland-pfälzischen Innenminister verbandelt werden, der vorgibt, seine kaputtgesparte Polizei ausgerechnet durch halbseidene Sicherheitsfirmen zu entlasten.

Doreen Brasch (Claudia Michelsen), zum 14. Mal in Magdeburg im Einsatz, ist voller Mitgefühl für das Opfer. Eine junge Mutter ist verschwunden, an ihrem verlassenen Auto klebt Blut. Schnell stoßen die Ermittler auf einen Verdächtigen: Sascha Geršak spielt diesen grobschlächtigen Typen mit derselben Wucht, mit der er vor gut zwei Jahren schon den Gladbecker Geisel-Gangster verkörpert hatte. Er bezichtigt sich selbst einer Tat, für die ein anderer seit Jahren im Gefängnis sitzt. Einen starken Eindruck hinterlässt Laura Tonke in der Rolle der Ehefrau des Verdächtigen. Als sie die Tür öffnet, erkennt man sie zunächst nur an der Stimme und ahnt, dass eine Laura Tonke nicht nur als Frau zum Türenöffnen besetzt wird. Das Psycho-Duell von Autor Jan Braren und Regisseurin Brigitte Maria Bertele ist packend und fordert Claudia Michelsen zu einem der bisher besten „Polizeirufe“ aus Magdeburg heraus.

Tatort: Unter Wölfen – Sa, 26.12., 20.15 Uhr; Polizeiruf 110: Der Verurteilte – So, 27.12., 20.15 Uhr, ARD