In der ersten Szene ist Misel Maticevic schon in der Silhouette zu erkennen. Der Berliner Schauspieler wird ja gern im Krimi eingesetzt, sowohl in „Babylon Berlin“ als auch in „Dogs Of Berlin“ spielt er jüngst knallharte Gangsterpaten. Aber auch als TV-Kommissar war er schon zu erleben, etwa als „Zorn“.

Kapitalismus-Anklage und Kammerspiel

In diesem „Tatort“ aber spielt Maticevic mal keinen Profi – auf einer Raststätte probiert er eine Pistole aus, als hätte er noch nie geschossen. Dann überfällt er die Familie eines Managers in deren Villa, und der Zuschauer fragt sich, warum er dafür von Bremen nach Luzern gefahren ist. Doch nach einer halben Stunde zeigt der Mann, der Mike Liebknecht heißt, dem heimgekehrten Manager (Roland Koch) den Grund seines Überfalls: einen simplen Gewindebolzen. Das Teil garantierte Liebknecht bisher seinen Job. Der Überfallene hatte dafür gesorgt, dass es für ein paar Cent weniger in China gefertigt wird.

Der Krimi begnügt sich aber nicht mit einer Kapitalismus-Anklage, sondern entwickelt sich zu einem fesselnden Kammerspiel zu sechst, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Liebknecht fesselt nicht nur Tochter, Frau und Manager, sondern auch die Kommissare Flückinger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer), die die Familie wegen eines Mordfalls an einer Dozentin befragen wollten.

Packendes Drama

Bald verschieben sich die Konstellationen – so hat die Manager-Gattin (Katharina von Bock) offenbar einige Rechnungen mit ihrem untreuen Mann offen. Und die drei Männer entdecken unter Schmerzen einige Gemeinsamkeiten.

Der „Tatort“ aus Luzern, der ja im nächsten Jahr ausläuft und von einem Team aus Zürich ersetzt wird, zeigt sich in seiner Endphase regerecht befreit. Im Sommer hatte Dani Levy seinen Beitrag „Die Musik stirbt zuletzt“ in einer einzigen Einstellung gedreht. Auch „Friss oder stirb“ ist ein packendes Drama, in dem der Täter sich immer mehr Sympathien erkämpft. Und wie Misel Maticevic diesen Getriebenen spielt, dem die Lage zunehmend entgleitet, das ist mindestens so spannend wie seine Auftritte als eiskalter Gangster.