Steffen Thewes (Milan Peschel) macht sich Sorgen um seine Tochter Sara (Charlotte Lorenzen)
Foto: NDR/Christine  Schroeder

BerlinMittelalte Männer, die sich von der Welt betrogen fühlen und ihr Selbsthelfertum mit der Waffe durchsetzen, sind ein fester Topos in der Filmgeschichte. Der Treibstoff, der einen unauffällig funktionierenden Zeitgenossen in den Wahnsinn treibt, ist die explosive Mischung aus Trauer und Wut. In diesem Fall führt der Zollbeamte Steffen Thewes einen Kampf um das Leben seiner Tochter Sara, die an einer komplizierten Deformation der Wirbelsäule leidet und nur durch eine teure Operation in den USA eine Chance  hätte. 

Großartiger Milan Peschel

Es ist eine Rolle, die wie gemacht ist für den Schauspieler Milan Peschel, der  seit seinem Kinofilm „Netto“ vor 15 Jahren auf den sogenannte kleinen Mann abonniert ist, dem er auf seine Art immer wieder tragische Würde zu verleihen versteht. Hier steuert er als überforderter Heckenschütze mit allem, was er tut, auf die Katastrophe zu.

Peschels Figur ist das emotionale Zentrum dieses Films, bei dem der Zuschauer von Beginn an  den Täter kennt und den Kommissaren mit einem Vorsprung an Wissen und auch Verständnis auf den Ermittlungswegen folgt. Bei einer Routinekontrolle an der Autobahn fallen plötzlich Schüsse, ein Lkw-Fahrer wird durch einen Querschläger getötet.  

Thorsten Falcke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) werden sich nicht einig, wo sie nach dem Täter suchen sollen und so sucht erst mal jeder für sich. Steckt ein Attentäter hinter den Schüssen? Oder geht es um Erpressung?

Foto: ARD
Tatort: „Querschläger“

 So., 1. Dezember, 20.15 Uhr, ARD

Nach und nach zieht sich die Schlinge um Thewes zu, was den nun völlig durchdrehen lässt. Oke Stielow (Drehbuch) und Stephan Rick (Regie) reichern das klassische Format ihrer Geschichte mit Elementen des Actionthrillers an, ohne es zu übertreiben.

Im Mittelpunkt, so kann man das  ruhig mal sagen, steht der Mensch. Falcke bekommt eine bewegende Szene mit der todkranken Sara, in der er sich als Emo zeigen darf, seine immer so strukturierte Kollegin Julia wird von den Avancen einer eifrigen Polizistin (Marie Rosa Tietjen) durcheinandergebracht. Am Ende gibt es sogar so etwas wie Trost.