Florence Kasumba (l.) und Maria Furtwängler als Ermittlerinnen.
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BerlinAn der Uni Göttingen wird nicht nur diskutiert, sondern geschrien. Linke und rechte Demonstranten prallen aufeinander. Im Zentrum des Streits steht eine Jura-Professorin (Jenny Schily), die Richterin am Bundesverfassungsgericht werden soll und von einem Kollegen auf dem Podium als „Gefahr für die Gesellschaft“ kritisiert wird – von ihren Getreuen aber wegen ihrer Kritik an „Genderwahn“ und „Multikulti“ gefeiert wird. 

Eine ihrer Anhängerinnen, die Studentin Maria (Emilia Schüle), verhindert im Saal eine Farbbeutel-Attacke auf sie. In der Nacht wird sie im Stadtwald erstochen – die Szene wird von Regisseurin Franziska Buch martialisch im Stile eines Horrorfilms inszeniert. Prompt behaupten die Mitstreiter der Getöteten, eine „Bestie“, ein „Messermigrant“ habe sie ermordet. Die Tote hatte den Videoblog „National Feminin“ betrieben.

Die Auseinandersetzung mit den Neuen Rechten im „Tatort“ ist eine Domäne des NDR. 2017 musste der Hamburger Kollege Falke eine Politikerin der „Neuen Patrioten“ beschützen. Schon in diesem Krimi war deren führende Vertreterin eine Frau, damals gespielt von Anja Kling. Obwohl der Fall natürlich auf die AfD abzielte, durfte die Partei nicht so genannt werden. In einem NDR-„Polizeiruf“ musste sogar ein Aufkleber „Fck AfD“ für die Mediathek retuschiert werden. Im Göttinger Fall heißt die Jugendbewegung einfach „Junge Bewegung“, nutzt aber typische AfD-Parolen und Schlagworte wie „Remigration“. Die Freunde der Getöteten werden recht eindeutig als rassistische Hetzer gezeichnet.

Beleidigende Sprüche wegen dunkler Hautfarbe

Die Kommissarin Anais Schmitz (Florence Kasumba) muss sich wegen ihrer dunklen Hautfarbe beleidigende Sprüche anhören, bleibt aber souverän. Die spannendste Figur aber ist die Professorin, eine charmante Intellektuelle, die gegen „Denkverbote“ auftritt, sich mit Kommissarin Lindholm über modernen Feminismus streitet und privat sogar Gemeinsamkeiten findet. Jenny Schily und Maria Furtwängler haben hier  interessante Dialoge.

Als Kriminalfall allerdings ist „National Feminin“ nicht besonders originell oder gar überraschend – wer Botschaften verbreiten will, schränkt seine Story zwangsläufig ein. Zwar geraten die Polizisten hin und wieder zwischen die Fronten: Sie werden von den Rechten boykottiert, von einem Linken als „Bullenschweine“ beschimpft. Doch neben solchen Momenten der Verunsicherung stehen Szenen, in denen allzu deutlich belehrt, ja regelrecht doziert wird. So muss Kommissarin Lindholm ihre Kollegen (und den Zuschauer) darüber aufklären, dass die Gewalt gegen Frauen mehrheitlich immer noch von den einheimischen Männern ausgeht.

Tatort: National Feminin Sonntag, 26.4., 20.15 Uhr, ARD