Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) haben Informationen von französischen Kollegen.
Foto: SWR/Benoit Linder

Der Schwarzwald und der Suff sind im „Tatort“ ein festes Paar. Erst vor gut einem halben Jahr hatten sich die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg (Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner) bei der alemannnischen Fastnacht derartig betrunken, dass sie miteinander im Bett landeten. Im Fall „Rebland“ tanzt und bechert nun ihre Kripo-Chefin Cornelia Harms (Steffi Kühnert) ausgiebig mit Freundinnen bei einem Weinfest im Kaiserstuhl. Eine von ihnen, die Radiomoderatorin Beate, passt nicht mehr ins Taxi, geht allein durch das nächtliche Rebland zurück und es passiert, was im Krimi nach einer solchen Ouvertüre immer passiert: Sie wird überfallen und vergewaltigt. Der Film zeigt die Tat nur anhand der körperlichen Spuren, und Victoria Trauttmansdorff spielt glaubhaft eine Frau, die glaubt, sie wäre psychisch nicht verletzt worden.

Nach gut zwanzig Minuten diskutiert der Krimi von Autorin Nicole Armbruster und Regisseurin Barbara Kulcsar das eigentliche Thema. Im nahen Elsass wurde eine DNA-Spur gefunden, die zum deutschen Täter passt – und die französischen Kollegen dürfen diese Spuren schon genauer auswerten, sprich: Sie bekommen Prozentangaben darüber, welche Haut-, welche Haarfarbe, welche Augenfarbe der Täter wahrscheinlich hat und wie alt er ist. Zur Drehzeit im vorigen Herbst durften deutsche Polizisten diese Spuren noch nicht auswerten und Kripo-Chefin Harms verbietet auch prompt das Nutzen der Daten. Doch inzwischen ist diese erweiterte DNA-Auswertung auch in Deutschland erlaubt, der „Tatort“ also von der Realität überholt.

Das Problem, dass sensibel mit den Daten umgegangen werden muss, bleibt. Tobler und Berg arbeiten mit den heimlich beschafften Angaben. Als nach einem freiwilligen DNA-Test der Männer des Ortes eine Gruppe Testverweigerer übrig bleibt, engen sie den Kreis der Verdächtigen dank ihrer noch illegalen DNA-Daten immer weiter ein, bis nur drei Männer übrig bleiben. Damit legt der Film, der zur Drehzeit noch den Arbeitstitel „Datenschutz“ trug, ein weiteres Problem offen: Denn wer den freiwilligen Test verweigert, ist fast zwangsläufig verdächtig. Kommissarin Tobler führt vor, wie heikel diese Unterstellungen sind: So rät sie einer Frau, sich nicht mehr mit einem der Männer zu treffen. Die drei Hauptverdächtigen sind gleichermaßen gut und prominent besetzt: Fabian Busch spielt den Vater, der sich rührend um seine Tochter kümmert, Roman Knizka den Ehemann, der angestrengt um seine Frau kämpft, und Marek Harloff den Streifenpolizisten, der linkisch um seine Kollegin buhlt. Jeder wird mal stärker belastet, dann wieder entlastet – und diesem Wettlauf der drei Verdächtigen zuzusehen, ist bis zum Ende sogar unterhaltsam.

Tatort: Rebland – Sonntag, 27.9., 20.15 Uhr, ARD