Ein Mann wird aus dem Knast entlassen – das ist eine klassische Krimikonstellation. Oliver Manlik (Barnaby Metschurat) scheint im Kampfmodus in sein schwäbisches Heimatstädtchen zurückzukehren, ist tätowiert und durchtrainiert. Dabei ist er kein typischer Krimineller. Als Manager eines Autozulieferers hatte er in Indien Aufträge mittels Bestechung akquiriert und war bei einem Florida-Urlaub verhaftet und verurteilt worden.

Die realen Hintergründe um das FCPA-Gesetz erklären die beiden Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) dem Zuschauer nebenbei – und in diesem Fall ist die Aufklärung tatsächlich nötig. Denn dass die US-Justiz selbst bei nur marginaler amerikanischer Beteiligung an der Korruption gnadenlos zuschlägt, ist ja nicht jedem klar. Im Wirtschaftsraum Stuttgart ist dieser Fall passend angesiedelt, zum arroganten Vertreter der Automobilbranche wird der Geschäftsführer von Manliks früherer Firma (Stephan Schad), der den Polizisten erklärt: „Wirtschaft ist Krieg!“, und ihnen vorhält: „Die Polizei schafft keine Werte!“ Selbst der Begriff „Abschaltautomatik“ bekommt bei dem Ingenieur eine ganz neue Bedeutung: Der unbequeme Ex-Manager soll ausgeschaltet werden.

Der Heimkehrer aus dem US-Knast bleibt natürlich die Hauptfigur – und selten wird ein „Tatort“ mal so stark von einem einzelnen Schauspieler geprägt wie hier von Barnaby Metschurat. Die Spannung speist sich weniger aus der Auflösung des Todesfalls – die Personalchefin der Firma wird tot im Wald gefunden – sondern vielmehr aus der Frage, ob der Rückkehrer auf dem schmalen Grat, auf dem er wandelt, abstürzt, ob er seine Aggression nach außen oder innen richtet. Metschurat führt diese beiden Pole – die Verletzlichkeit und die Kampfbereitschaft – sehr glaubhaft zusammen. Da sein Held alles Recht hat, wütend zu sein, sind ihm die Sympathien der Zuschauer sicher. Er hat alles verloren: Seine Frau hat einen Neuen, sein Sohn vermisst ihn nicht mehr, seine Habseligkeiten stecken in einem Container – und die Firma verweigert schon aus juristischen Gründen jede Entschädigung dafür, dass er das Bauernopfer gespielt und über drei Jahre Gefängnis ertragen hat. Selbst die Mafia kümmere sich rührender um ihre Mitglieder im Knast, konstatieren die mitfühlenden Kommissare. Bootz und Lannert treten seit zwölf Jahren als Einheit auf, sind weder Streithähne noch Gagschleudern – das ist zur Abwechslung ganz erholsam. Und wie sie dem arroganten Firmenchef Paroli bieten, ist durchaus unterhaltsam. Polizei schafft keine Werte? Von wegen!

Tatort: Der Welten Lohn – So, 1.11., 20.15 Uhr, ARD