Die letzten Tatorte von Til Schweiger hatten niederschmetternde Zuschauerzahlen. 
Foto: NDR/Christine Schroeder

BerlinDer kantige Kerl mit der Wollmütze taucht zum ersten Mal in dieser Kolumne auf. Dabei ist Nick Tschiller schon seit 2013 in Hamburger „Tatort“ aktiv. Sein letzter Fall, „Off Duty“, lief zuerst im Kino, im Sommer 2018 im Fernsehen – jeweils mit niederschmetternden Zuschauerzahlen.

Doch wie andere Filme von Til Schweiger konnten die Krimis von Nick Tschiller nicht vorgestellt werden – Schweiger weigerte sich, sie vorab zu zeigen. Doch nun hat der NDR alles auf null gestellt. Statt Regisseur Christian Alvart übernahm Eoin Moore das Ruder – er war  bislang für „Polizeirufe“ in Rostock und Brandenburg verantwortlich. Tschiller wird auf eine Elbe-Insel geschickt, deren Name „Neuwerk“ für den Neuanfang steht.

Hier soll er einer Pädagogin namens Pattie Schmidt beim Erziehen gestrauchelter Jugendlicher helfen. Dank Laura Tonke gibt Pattie Nick gleich Paroli, als sie ihm ein verzerrtes Selbstbild attestiert. Da lässt sich Til Schweiger, der so stolz auf sein Action-Konzept war, überraschend viel gefallen. Den eigentlichen Fall übernimmt Tschillers Kumpel Yalcin Gümer (Fahri Yardim).

Grübeln statt Prügeln ist noch kein Konzept 

Der soll zwei Punkrocker, die im Darknet mit Drogen gedealt hatten, als Kronzeugen in Sicherheit bringen. Doch der eine wird unterwegs erschossen, den anderen liefert Gümer auf Neuwerk bei Tschiller ab. Gümer zur Seite steht eine beflissene Kollegin, die gespielt wird von Zoe Moore – der Tochter des Regisseurs.

Eoin Moore hat auch gleich seine Partnerin Anika Wangard als Co-Autorin und seinen Schwager Michael McDonough als Kameramann mitgebracht – diese Art Familienbande pflegt ja auch Til Schweiger. Doch von der Klasse der Rostocker und Brandenburger Duos sind die beiden Hamburger weit entfernt.

Auch der Fall um die Hintergründe des Kronzeugen-Anschlags ist nur mäßig spannend. Interessanter bleibt da noch das angespannte Verhältnis zwischen Patti Schmidt und Nick Tschiller auf der Insel. Doch wie sich der Haudrauf künftig in Hamburg behaupten will, kann man sich nur schwer vorstellen: Grübeln statt prügeln ist ja noch kein Konzept.  

Tatort: Tschill Out - So, 5. 1., 20.15, ARD