Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler und der Gerichtsmediziner Nick (Daniel Donskoy)
Foto: NDR/Manju Sawhney

Ein verwirrter Mann bedroht Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) in der Polizeiwache mit dem Messer. Ihre Kollegin Anais Schmitz (Florence Kasumba) hält die Pistole in Anschlag und drückt schließlich ab. Schon der Auftakt ist dramatisch – doch es kommt noch viel dramatischer.

Die beiden Kommissarinnen, die im ersten gemeinsamen Fall in Göttingen vor einem Jahr noch hart aufeinander geprallt waren, haben kaum Zeit, die Situation zu verarbeiten und flüchten in Ersatzhandlungen. Anais geht  tanzen, Charlotte schmust derweil mit deren Freund, dem einfühlsamen Gerichtsmediziner Nick.

Wandelnde Kriegsmaschinen

Der erschossene Mann mit dem Messer erweist sich gar nicht als Psychopath, sondern wäre ein wichtiger Verbündeter der Polizei bei der Aufklärung einer rätselhaften Suizidserie gewesen. Er war nämlich als Bundeswehrsoldat in Mali im Einsatz. Ein Teil seiner Truppe starb vor Ort, von den Überlebenden bringt sich einer nach dem andern um. Anders als andere Filme thematisiert „Krieg im Kopf“ aber nicht die posttraumatischen Störungen, sondern die Versuche der Militärs, ihre Soldaten zu wandelnden Kriegsmaschinen aufzurüsten.

Um diese  Methoden anschaulich zu machen, müssen die Kommissarinnen  sie am eigenen Leib erfahren. Schmitz hört plötzlich Stimmen im Kopf, windet sich wie in Trance und fragt sich, ob sie schizophren wie ihre Mutter geworden ist. Lindholm darf im Geheimlabor der Hirnforscher einen Kampfhelm ausprobieren, der ihre Wahrnehmung schärft, ihr Schmerzempfinden ausblendet und sie aggressiver macht.

Industrie, CIA und Nazis

Christian Jeltsch, der sich als Autor schon wiederholt mit der Zukunft der Militärtechnik auseinandergesetzt hat, bringt in seiner Story gleich ein ganzes Arsenal neuer Waffen zum Einsatz: Mal wird mit Mikrowellen „geschossen“, mal mit „transkranieller Magnetsimulation“ das Gehirn manipuliert. Ob deutsche Rüstungsindustrie, CIA oder Nazis – alle sind irgendwie mit von der Partie.

Doch die Geschichte wagt sich immer nur so weit in die Science Fiction hinein, dass der Zuschauer sich nicht entspannt zurücklehnen kann, sondern sich irritiert fragt: Wie weit sind die Forscher wirklich? Jobst Oetzmann (Regie) findet optische Mittel, um noch nahe genug an der Gegenwart zu bleiben: So viel anders als die Helme in der Bundeswehrwerbung sehen die ominösen Kampfhelme auch nicht aus.

Maria Furtwängler und Florence Kasumba können die Typologie ihre beiden Kommissarinnen ausbauen: Charlotte ist rigoros, Anais physisch präsent. Ihre Gegenspieler bleiben indes kaum fassbar, Steven Scharf  etwa als Abwiegler vom Militär. Dass der Schauspieler bis eben noch als cooler Psychologe im Magdeburger „Polizeiruf“ unterwegs war, ist schon etwas irritierend.
 

NDR
Tatort: Krieg im Kopf

29. März 2020, 20.15 Uhr, ARD