Tatort-Vorschau: Die skurrilen Charaktere machen „Tiere der Großstadt“ sehenswert

Am Anfang steht die Montage. Ein Zusammenschnitt aus Nahaufnahmen und Zeitraffern; Berlin im Dunkeln, Kaffee aus Roboterarmen, kalter Wald, Mensch und Tier. In dreieinhalb Minuten umreißen sie die zwei Fälle, die die Berliner Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) in diesem Tatort zu lösen haben.

Das erste Opfer stirbt auf dem Kurfürstendamm: Teenager finden Tom Menke leblos in seinem Kiosk, in dem ein Roboter Passanten Kaffee ausschenkt. Bald darauf eine zweite Leiche: Eine Joggerin liegt tot im Wald. Bevor Karow und Rubin sich allerdings mit den Menschen des Falls auseinandersetzen können, müssen sie zunächst einmal die beteiligten Maschinen verstehen. War Tom Menkes Tod vielleicht ein Unfall?

Lange Zeit kein Verdächtiger

Es dauert mehr als 45 Minuten, bis sich in diesem Tatort jemand verdächtig macht. Die Zeit davor ist mit schönen Bildern gefüllt, mit vielen Details und Perspektiven. Daneben treten skurril-überzeichnete Charaktere auf: Jugendliche, die Selfies mit einer Leiche machen, eine Natur-Bloggerin, ein einsamer Geschichtenerzähler und eine Frau, die ihre Wohnung mit Katzenstreu auslegt. Auf der Wache macht Karow seinen Untergebenen mit Wutausbrüchen das Leben schwer.

Der Fall bleibt dabei etwas auf der Strecke. Erst gibt es keine Spuren, dann wirkt das Ganze plötzlich sehr durchschaubar. Eine halbe Stunde vor Schluss scheint die Auflösung der langweiligste Teil der schön anzusehenden (und anzuhörenden) Geschichte zu sein. Spannung kommt keine auf. Wem das egal ist, der kann sich dennoch an den Bildern und verrückten Charakteren erfreuen.