Jetzt also Emily Atef, die zuletzt mit Romy Schneider und „3 Tage in Quiberon“ im Kino Furore gemacht hat. Die Verpflichtung prominenter Filmleute für den „Tatort“ ist mehr als eine Geste, sie verschafft dem Format immer mal wieder auch ein bisschen Auffrischung. Nicht jedem gelingt der Sprung aus dem Kino ins Wohnzimmer (oder auf den Laptop), aber sofern es schiefgeht, hat man zumindest Anlass zur Erregung. Das ist immer noch besser, als wenn ein Film schon aus dem Gedächtnis gelöscht ist, bevor „Anne Will“ beginnt.

Kriminalfilm ist nicht ganz Emily Atefs Genre

Zu Emily Atefs Genreversuch muss man sagen: Na ja. So ganz ihr Metier scheint der Kriminalfilm dann doch nicht zu sein. Sonst hätte sie ja einen gedreht und nicht diese leicht neben der Spur schleifende Parodie eines solchen geliefert. Da sie nun aber mit Margarita Broich und Wolfram Koch das richtige Personal für so einen leicht neben der Spur schleifenden Film mitbringt, ist alles doch noch ziemlich amüsant.

Wenn kleine Leute ein großes Ding drehen wollen, geht das schief, da darf man sich nichts vormachen. Biggi und Hajo Lohmann machen sich aber so was was von vor, dass sie beabsichtigen, mit einem äußerst schmerzhaften Versicherungsbetrug ihre Solarklitsche zu retten. Biggi und Hajo inszenieren einen Raubüberfall, bei dem seltene Erden aus dem Tresor entwendet werden, die dort gar nicht drin sind. Wegen der Glaubwürdigkeit schießt Biggi ihrem Hajo ins Bein und anschließend dem verdutzten Sicherheitsmann in die Stirn. Mit dem hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Es wird nicht der letzte Tote bleiben, den die latent überforderte Meisterschützin Biggi (Katharina Marie Schubert) hier zu verantworten hat.

Emiliy Atef inszeniert die skurrile Geschichte mit einer überdeutlich spürbaren Verehrung für die Coen-Brüder, deren Sympathie auch den liebenswerten Versagern gehört. Dazu kommt ihr Faible für komische Pullover. Man lernt aber auch was Medizinisches. Als Frau Janneke den angeschossenen Hajo inspiziert, schlaumeiert sie: „Oberschenkelwunden werden oft unterschätzt.“

Tatort – Falscher Hase So, 20.15 Uhr, ARD