Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser, re.) ermitteln.
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Am letzten Sonntag war ein „Tatort“ aus Wien noch der Gewinner: Die Folge „Die Faust“ von 2017 wurde von den Zuschauern ausgewählt. Elf Sommerwochen lang hatten 50 „Tatort“-Krimis zur Wahl gestanden.

Nun stammt der erste neue Fall nach der Sommerpause gleich wieder aus Wien. Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermitteln, wie schon im „Faust“-Fall, in Richtung Südosteuropa. Ein auffällig muskelbepackter Albaner ist vom Zug überfahren worden. Die Spur führt in ein Fitnessstudio, wo sich Männer nicht nur mit Hanteln aus Eisen, sondern mit verbotenen Pillen aufpumpen.

Körperlichkeit scheint das Motto dieses Krimis zu sein. Dem Zuschauer wird der zertrennte Leichnam immer wieder vorgeführt, den Kommissaren ist beim Anblick des Torsos der Appetit nicht gleich vergangen. Eisner bestellt unmittelbar nach dem Besuch in der Pathologie am Imbisswagen erst mal etwas „Eitriges“ – was das genau ist, will man gar nicht wissen. Doch später fühlt sich der Kommissar beim Blick auf seinen Körper unwohl – er schiebt die Pizza von sich und beginnt eine Diät.

Ungezwungener zeigt sich Kollegin Fellner. Sie springt in der Wohnung ihres neuen Liebhabers nackt umher. Auch Kollege Fredo Schimpf (Thomas Stipsits) ist unter der Dusche zu sehen: Er hatte versucht, undercover im Fitnessstudio zu recherchieren. Doch diese typische Krimi-Einlage endet wenig überraschend: Die Muskelprotze sehen zwar herrlich hirnlos aus, aber der falsche „Pumper“ ist natürlich zu auffällig. Zwar bewegt sich die Story bald aus dem Bodybuilder-Milieu heraus und thematisiert das soziale Gefälle zwischen Österreich und Albanien. Das überfahrene Opfer hatte, obwohl arbeitslos, einen teuren Sportwagen gefahren und guten Kontakt zu den Behörden gepflegt.

Der deutsche Zuschauer lernt hier, dass die Mindestsicherung im Nachbarland gut 800 Euro beträgt und wie die „E-card“ funktioniert und missbraucht werden kann. Anders als so manche deutsche „Tatort“-Kollegen machen die Wiener kein Sozialdrama draus, die Polizisten bleiben distanziert. Eisners einziges politisches Statement ist der Stinkefinger für einen fremdenfeindlichen Taxifahrer. Doch wirklich packend oder originell ist dieser Fall nicht, die Spannung geht nur bei einem allzu waghalsigen nächtlichen Einsatz von Majorin Fellner mal kurz in die Höhe. Hier gerät sie auch körperlich in Gefahr.

Die Verdächtigen vom Balkan werden allesamt stereotyp gezeichnet, die Auseinandersetzungen der Ermittler mit ihrem sturen Chef (Hubert Kramar) sind Routine. Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer bekommen nur in den stilleren, privaten Szenen zwischen Fellner und Eisner mehr zu spielen – dieser Fall wird keine Zuschauerabstimmung gewinnen.

Tatort: Pumpen. So, 6.9., 20.15 Uhr, ARD