Tatort: Züri brännt - Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, vorne), Kommissarin Tessa Ott (Carol Schuler, hinten).
Foto: ARD

Die Polizei fährt Wasserwerfer gegen jugendliche Demonstranten auf, die gewaltsam für ihr „Alternatives Jugendzentrum“ auf die Barrikaden gehen: „Pflastersteine auf Bullenschweine“ heißt eine ihrer Parolen.

Solche Bilder sind in Berlin immer noch aktuell, in Zürich aber seit 40 Jahren Geschichte. Zu den Fernsehaufzeichnungen aus dem Jahr 1980 ertönt der zeitgenössische Punksong von TNT – „Züri brännt“. Unter diesem Titel startet das Schweizer Fernsehen seinen bislang mäßig erfolgreichen „Tatort“ neu – ein anderer Ort, ein neues Duo, trendgemäß weiblich. Die eine ist schon da, die andere stößt dazu. Die erfahrene Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) hält Teresa Ott (Carol Schuler) von oben herab auf Distanz, weiß, dass die junge Profilerin den Job nur wegen ihrer arrivierten Eltern bekommen hat und fordert von ihrem Chef sogar eine Entscheidung: Die oder ich!

Ältere beschweren sich bei der ARD immer wieder über Unverständlichkeit

Diesem angespannten Verhältnis widmen die Autoren fast so viel Aufmerksamkeit wie ihrem eigentlichen Fall, doch die Sympathien sind ungleich verteilt. Denn Isabelle wirkt nicht nur herablassend, sondern sogar arrogant – wenn sie nämlich immer wieder ins Französische fällt und flucht. Doch mit diesem Sprachmix wird ja nicht nur die junge Konkurrentin angegriffen, sondern der allergrößte Teil der deutschen Zuschauer ausgeschlossen. Vor allem Ältere beschweren sich bei der ARD immer häufiger über schwer verständliche Dialoge – der neue Zürcher „Tatort“ gibt neuen Anlass. Herausforderin Teresa dagegen bleibt die zugänglichere Figur, auch wenn sie ebenfalls unfein austeilt, ihre Kollegin ein „zynisches Arschloch“ nennt.

Doch dieser Konflikt, der Extra-Spannung erzeugen soll, nervt meistens nur. Der ausgestellte Zickenkrieg unterfordert auch Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler, die Berliner Theatergänger noch aus der Schaubühne kennen. Mit dem Spannungsbogen zwischen 1980 und 2020 wiederum spielt der Fall, der mit einer frischen Brandleiche beginnt und dann einen Totenschädel von einst zutage fördert. Am interessantesten sind noch die biografischen Sprünge. „Die Bewegten von Früher sind die Etablierten von Heute“, weiß der Kripochef (Roland Koch). So thront der Anführer der Steinewerfer heute als Chefredakteur einer Tageszeitung ganz oben in einem Hochhaus, die Punksängerin von einst kämpft nach 40 Jahren um ihre raue Stimme.

Während der Film von Regisseurin Viviane Andereggen die inzwischen ergrauten Widerständler von einst mit einem milden, mitunter sentimentalen Blick bedenkt, wird die andere Seite der Barrikade weniger liebevoll behandelt. Wie gewohnt herrscht Korpsgeist bei den „Bullen“, hat die Polizeispitze etwas zu vertuschen – das überrascht nun wirklich keinen Krimigucker!

Tatort: Züri brännt – Sonntag, 20.15 Uhr, ARD