Die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen (rechts) mit den designierten Kommissaren Marija Gabriel  und Thierry Breton. 
Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Brüssel"Geht doch!“, hatte der Kulturrat am Mittwoch triumphierend gekabelt. Und auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte in ihrer Botschaft ans Pressevolk freudig ihren Verdienst an der Tatsache, dass unter Ursula von der Leyen als erster Frau an der Spitze der EU-Kommission auch erstmals das Wort „Kultur“ in den Ressorts der Kommission eine Rolle spielen wird. Am Dienstagnachmittag noch nicht, aber am Dienstagabend dann schon. 

Da wäre man ja gerne dabeigewesen und hätte die Gesichtszüge von Marija Gabriel in dem Augenblick studiert, in dem entschieden wurde, dass sie im „Team Ursula“, nicht nur für Jugend und Innovation zuständig sein soll, sondern auch für Forschung, Kultur und Bildung. Ach, was soll's! wird Ursula am Dienstagabend irgendwann gedacht haben: Die Marija hat in ihrer Heimat Bulgarien Sprachwissenschaft studiert, ist mit 40 Jahren noch jung und war in den letzten beiden Jahren EU-Kommissarin für digitale Wirtschaft und Gesellschaft – das passt schon; ohne Kulturressort darf ich der Monika ja nicht unter die Augen treten und damit nicht der Verdacht aufkommt, wir Frauen würden das Föderalismusgebot in Sachen Kultur unterminieren, packe ich noch Forschung und Bildung dazu. 

 Handel und Kultur, Wirtschaft und Kultur ...

Und so sitzt sie jetzt da, die Marija und hat die gesamte Zukunft des menschlichen Miteinanders in Europa auf dem Tisch, während sich beispielsweise ihre Kollegin Jutta, Jutta Urpilainen aus Finnland (eine Pädagogin übrigens), lediglich um internationale Partnerschaften zu kümmern hat. Internationale Partnerschaften! Was kann da schon groß anfallen! Da wird es einen Fonds geben und müssen wohl hin und wieder schirmherrinnenschaftliche Grußworte geschrieben werden. Ganz zu schweigen von Margaritis Schinas, dem griechischen Juristen, der sich ganztägig um die „Förderung des europäischen Lebensstils“ kümmern soll. Aber was könnte denn das noch sein, wenn man die Kultur abzieht, die ja zum Paket der Marija gehört? 

Wenn, was oft gesagt wird, europäische Kultur zu divers ist, um sie zentral zu behandeln, dann könnte man sie, statt sie irgendwo verschämt reinzustopfen, ja auch in aller Diversität stolz ausstellen und als Beiboot jedes einzelnen Ressorts mitführen: Handel und Kultur (Irland), Wirtschaft und Kultur (Italien), Demokratie und Kultur (Kroatien), Umwelt und Kultur (Litauen)... Das geht nicht? Geht doch!