Tele Columbus und Kabel Deutschland: Immer Ärger mit dem Kabelanschluss

Alles begann mit einem Brief. Genau gesagt waren es zwei Briefe. Einer war an Frau Ulrike Simon adressiert, der andere an Herrn Simon Ulrike. In beiden kündigte Kabel Deutschland an, demnächst meinen ungenutzten Kabelanschluss abzuschalten. Falls ich das nicht wolle, müsse ich Einwände anmelden.

Mein Kabelanschluss? Ungenutzt? Seit 15 Jahren schaue ich per Kabel fern, erst analog, dann digital. Überzeugt, dass der Kabelanschluss Sache des Vermieters sei und über die Betriebskosten bezahlt würde, rief ich die Hausverwaltung an. Ich erfuhr, dass wir im Haus seit Jahren unbezahlt Kabelanschluss haben. Das muss Kabel Deutschland, die nun statt Tele Columbus für unsere Straße im nördlichen Prenzlauer Berg zuständig ist, aufgefallen sein. Ich beschloss, offiziell Kunde von Kabel Deutschland zu werden. Das war am 10. September. Der erste Monatsbeitrag wurde am 24. September abgebucht. Es war das Einzige, was reibungslos klappen sollte.

Der Bildschirm blieb schwarz

Ein Techniker schaute vorbei, überprüfte alles, kurz danach kamen Smartcard und Receiver per Post. Die Installation erschien schlicht, wollte aber nicht auf Anhieb klappen. Draußen schien die Sonne, ich geriet beim Ein- und Umstöpseln ins Schwitzen. Ich verschob das Vorhaben. Als ich mich am Wochenende an die Installation machen wollte, klappte es wieder nicht. Ich überprüfte, verglich, versuchte es mal mit dem HDMI- mal mit dem Scart-Kabel – der Bildschirm blieb schwarz.

Anruf beim Service-Telefon. Die freundliche Dame ging alles mit mir durch. Das Telefon zwischen Kopf und Schulter geklemmt, folgte ich ihren Anweisungen, stöpselte hier ein, dort aus, drehte das HDMI-Kabel um 180 Grad, versuchte es mit dem Einstecken in die Eingänge HDMI-1 und HDMI-2, bestimmte am Fernsehgerät die Quelle, nahm alternativ das Scart-Kabel – nichts. Die Dame versprach, einen Techniker vorbeizuschicken.

Wir vereinbarten einen Termin für Mittwoch. Am Montag rief mich die Technikfirma an. Ob das Problem noch bestünde? – Ja. – In diesem Fall würden sie noch einmal alles am Telefon mit mir durchgehen wollen. Ich stand kurz vor Dresden im Zug, zwischen anderen Reisenden eingepfercht, bereit zum Aussteigen. Anders als der Techniker am anderen Ende des Telefons hatten alle um mich herum im Waggon schnell verstanden, dass ich gerade keine Kabel an meinem Fernseher umstöpseln könne, dass ich das auch alles schon einmal mit der Dame vom Service-Telefon getan hätte und dass wir am Mittwoch um elf Uhr doch ohnehin einen Termin hätten.

Der Mittwoch kam, der Techniker nicht. Kurz vor zwölf Uhr rief ich an. Nach drei weiteren Telefonaten stellte sich heraus: Kabel Deutschland hatte den Termin storniert. In solchen Fällen würde kein Techniker losgeschickt, sagte die Stimme am Telefon und versprach mir ein Austauschgerät.

Sehr geehrte(r) Kunde(in)...

Per SMS teilte mir das Kabel Deutschland Service-Team mit: „Sehr geehrte(r) Kunde(in), vielen Dank für Ihren Auftrag mit der Nummer … Selbstverständlich werde wir Ihr Anliegen schnellstmöglich bearbeiten.“

Ein paar Tage später ein Anruf. Ob das Problem noch bestünde? Vielleicht glaubt Kabel Deutschland ja auch an Wunder. Der Anrufer versprach, in drei bis fünf Werktagen sei der Receiver bei mir. In der Woche darauf ging ich für fünf Werktage in Urlaub. Am zweiten Urlaubstag erhielt ich die SMS: „Sehr geehrte(r) Kunde(in), ein Paket ist zu Ihnen unterwegs. … Möglicherweise entstandene Unannehmlichkeiten aufgrund der Störung bitten wir zu entschuldigen. Ihr Kabel Deutschland Service-Team.“

Nach meiner Rückkehr fand ich eine Mitteilung im Briefkasten: Mehrfach habe man versucht, mir ein Paket auszuliefern, ich sei nicht da gewesen. Im Internet könne ich meine nächste GLS-Station herausfinden. Ich sah nach, rief an, nannte die Auftragsnummer und erfuhr: Mein Paket war in Bernau eingelagert. Bernau? Ich erhielt das Versprechen: Einmal noch würde ein Paketbote zu mir kommen. Ich mied sämtliche Termine außer Haus, besorgte mir ausschließlich im Laden gegenüber das Notwendigste, nur, um den Paketboten nicht zu verpassen und nach Bernau zu müssen.

Der Receiver kam, ich tauschte ihn gegen den alten aus, der Bildschirm blieb schwarz. Inzwischen hatte ich mich an die auf dem Wohnzimmerboden verstreuten Kabel, Bedienungsanleitungen und Kartons gewöhnt. Den DVD- und den alten Videorekorder hatte ich abgeklemmt. Nichts sollte die labile Beziehung zwischen dem neuen Receiver und meinem Fernseher stören. Zwecklos. Es tat sich nichts.

"Leider darf ich nichts für Sie tun."

Da klopfte es an der Tür. Meine Nachbarin stand davor, neben ihr ein Handwerker im Blaumann. Sie könne nicht einmal mehr die „Tagesschau“ sehen, und der Techniker hier wolle an den Verteilerkasten über meiner Wohnungstür. Dafür bräuchte sie meine Leiter. Hoffnung stieg in mir auf: „Sie sind von Kabel Deutschland?“ Ich lockte den Mann in meine Wohnung. Er überprüfte die Antennendose. Sein Kommentar: „Unterpegel.“ – „Unterpegel?“ – „Unterpegel. Kein Wunder, dass das nicht funktioniert.“ Er sah meinen flehenden Blick und sagte. „Leider darf ich ohne Auftrag nichts für Sie tun. Rufen Sie unter der Service-Nummer an, und sagen Sie: Unterpegel.“ Gesagt, getan.

Als ich am Ende der vollautomatischen Menüführung wieder eine freundliche Dame vom Service-Team hatte, frohlockte ich: „Unterpegel!“ – „Ach ja“, sagte sie, „welche Sender sind es denn genau, die Sie nicht empfangen?“. Ich gestand, dass ich exakt gar keine empfange. Bevor sie mit mir erneut alle Kabel unter ihrer Anleitung neu verbinden sollte, beschwor ich sie, wirklich alles richtig eingestöpselt zu haben. Das habe auch der Techniker meiner Nachbarin… „Welcher Techniker?“ Die Stimme wirkte misstrauisch. Ich erläuterte, wie es zur Diagnose „Unterpegel“ gekommen war. Schließlich hatte ich sie soweit. Am Freitag, zwischen 11 und 14 Uhr sollte ein Techniker zu mir kommen.

Wieder fand ich zwei Schreiben in meinem Briefkasten. Eines an Frau Ulrike Simon, das andere an Herrn Simon Ulrike. Mein ungenutzter Kabelanschluss würde nun, da von mir kein Einwand erfolgt sei, umgehend abgeschaltet. Außerdem erhielt ich einen Anruf: Ob das Problem noch …? Ich schrie, ich tobte, ich fragte, ob sich irgendjemand vorstellen könne, dass man vielleicht noch anderes zu tun habe, als sich um diesen verdammten Kabelanschluss zu scheren.

Der junge Mann war wunderbar

An jenem Freitag, an dem der Techniker kommen sollte, erhielt ich den Anruf, dass es Montag werden wird. Am Montag rief mich gegen Mittag ein Mann an, der sagte, ich hätte heute „eigentlich zwischen 14 und 16 Uhr einen Termin“. Ich holte schon Luft, doch der Mann wollte nur fragen, ob er schon jetzt kommen dürfe? Aber ja doch! Nichts hatte inzwischen mehr Priorität, als diese Odyssee zu beenden.

Der junge Mann war wunderbar. Unterpegel, ja, das sei richtig. Das sei aber nur das eine Problem. Außerdem, stellte er nach einem Gang in den Keller fest, sei in diesem Haus das Signal von Kabel Deutschland nicht freigeschaltet. Warum, wisse er nicht. Techniker hatten Mitte September die komplette Anlage ausgetauscht. Trotzdem würden wir nach wie vor ein TC-Signal erhalten. TC, für Tele Columbus. Aber selbst wenn die Antennendose ausgewechselt und das richtige Signal ankommen würde: „Der Receiver ist kaputt. Rufen Sie Kabel Deutschland an, die sollen Ihnen ein neues Gerät schicken.“

Ich berichtete, dass das nun schon das zweite Gerät sei. Wir überprüften gemeinsam alle Kabelverbindungen, drehten das HDMI-Kabel um 180 Grad, versuchten es mit dem Scart-Kabel, vergebens. So verstanden hatte ich mich lange nicht gefühlt. Zum Zeichen meines Dankes kochte ich ihm einen Kaffee. Kaum hatte der junge Mann meine Wohnung verlassen, erhielt ich eine SMS: „Sehr geehrte(r) Kunde(in), wir haben Ihren Auftrag mit der Nummer … abgeschlossen. Möglicherweise entstandene Unannehmlichkeiten aufgrund der Störung bitten wir zu entschuldigen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis. Ihr Kabel Deutschland Service-Team.“

Ich rief gleich wieder an, folgte brav der Menüführung, drückte versiert alle notwendigen Telefontasten, war verwundert, dass ich die Kundennummer immer noch nicht auswendig kann und freute mich, als ich bis zur menschlichen Stimme durchgedrungen war. Ich erzählte alles. Die weibliche Stimme fragte in breitestem Sächsisch: „Sie haben wirklich noch nicht einmal den Begrüßungsbildschirm …?“ – „Nein“ – Ha’m S’es mal mit dem Scart-Kabel …“ – „Ja, und auch mit dem um 180 Grad gedrehten HDMI, sowohl im Eingang 1 als auch 2.“

Irgendetwas schien ihr Verständnis geweckt zu haben. Vielleicht war es auch Mitleid. Jedenfalls versprach sie mir ein Austauschgerät. Eine Woche später kam es. Was soll ich sagen: Es funktioniert! Ich bekomme ganz viele Sender, nur Arte leider nicht, Eins Plus, Phoenix, Tagesschau 24 und ein paar andere auch nicht. Das Antennensignal sei nicht zu empfangen, sagt mein Receiver. Ob es am Unterpegel liegt? Oder am TC-Signal? Ich muss dringend Kabel Deutschland anrufen.