Wer wissen will, wie heute neue Bibliotheken aussehen können, dem sei der Gang in die aktuelle Ausstellung der Aedes-Galerie im Pfefferberg an der Schönhauser Allee empfohlen. Das dänische Büro „schmidt hammer lassen architekten“ zeigt dort etwa das derzeit im Bau befindliche Medienzentrum im dänischen Aarhus oder die Bibliothek der Universität Aberdeen. Lichtdurchflutete Architekturen, luftig, quirlig voll mit Menschen und doch auch voller Rückzugsräume. Vor allem aber: Diese Bibliotheken nutzen aufgelassene Hafen- und Industriegebiete neu für die moderne Informationsgesellschaft.

Sie leisten also etwa das, was sich der Berliner Senat vom Neubau der seit 30 Jahren versprochenen Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) erhofft. Im Koalitionsvertrag ist er fixiert, die lange Zeit Neubau-skeptische CDU brachte auch dies Opfer, um mit Klaus Wowereit regieren zu dürfen.

Nähe zu Park und Nahverkehr

Gebaut werden soll in der Südwestecke des Tempelhofer Felds, wo der S- und U-Bahnhof Tempelhof eine gute Erschließung garantieren und der Kontakt zum Park auf dem einstigen Flugfeld eng ist. Zudem hoffen die Stadtplaner, dass sich hier, wie am Dienstagabend im Ex-Restaurant des Ex-Flughafens bei einer Bürgerversammlung gesagt wurde, „Privatschulen, private Universitäten, Sprachschulen“ etc. ansiedeln werden. Die ZLB sei nämlich ein „Ankernutzer“, so wie in Shoppingmalls der Elektromarkt Kunden anzieht, damit diese auch in anderen Läden Geld ausgeben.

Kultur-, Bau- und Planungsverwaltungen sowie die Bibliothek sind sich offenbar sehr sicher, dass das Projekt jetzt endlich klappt. So sicher, dass viele Fragen nur ausweichend beantwortet wurden. Dieser Standort sei weit weg vom gefühlten Zentrum Berlins. Dezentralität ist ein Charakteristikum der Stadt, war die Antwort, man wird sich gewöhnen, der ungesagte Beisatz.

270 Millionen Euro

270 Millionen Euro wollen die Berliner für 63.000 Quadratmeter ausgeben – in Aarhus kostete die um zwei Drittel kleinere Bibliothek schon 250 Millionen. Wird das gehen in der Teuer-Bau-Stadt Berlin? Die Verwaltung, hieß es, achte auf die Preise. Wer bezahlt eigentlich? Keine Antwort. Warum hat das Parlament zwar Einzeldaten zum Bibliotheksneubau erhalten, aber keine Vergleichsstudie der Standorte, der Kosten, der Anforderungen? Keine Antwort. Wie sollen die Betriebskosten aufgefangen werden in dem viel größeren und viel länger geöffneten Haus? Keine Antwort.

Muss die Bibliothek eigentlich so groß werden? Die Zweigstelle im Humboldt-Forum soll sich auf außereuropäische Kulturen konzentrieren. Werden diese also im interkulturellen Treffpunkt ZLB fehlen? Muss es ein völliger Neubau sein? Der Umbau des 1,2 Kilometer langen Flughafengebäudes zu einer tragfähigen Bibliothek kommt nicht in Frage, das wurde überzeugend begründet. Aber wurde eine Erweiterung der Amerika-Gedenk-Bibliothek auf den angrenzenden Wiesen neutral geprüft oder geht es den Bibliothekaren um den perfekten Neubau?

Volksnahe Bibliothek

Im Zentrum der Planung stehe der Gedanke einer volksnahen Bibliothek, wurde immer wieder betont. Aber warum sind dann auf einem Plan der Verwaltung zwei der drei Grundstücksalternativen mit maximal weiter Entfernung zum S- und U-Bahnhof eingezeichnet? Sollen die guten Lagen fürs Gewerbe reserviert werden? Und schließlich: Wird der Neubau nicht auf Kosten der Stadtteilbibliotheken gehen? ZLB-Direktorin Claudia Lux kämpft zwar für ein Berliner Bibliothekssicherungsgesetz. Bisher zeigen sich die Neubau-begeisterten Koalitionäre in dieser Frage, die dauernde Kosten verursacht, aber sperrig.

Ausstellung: Galerie Aedes, Pfefferberg, bis 15. 3., Katalog 10 Euro.