Die erste Explosion ereignet sich knapp zwei Minuten nach dem Beginn dieses Film. Vor den Augen der Kinozuschauer wird die Golden Gate Bridge pulverisiert und die Stadt San Francisco gleich mit. Das rote Metall der Brücke zerfällt in Nanosekunden sowie 3D zu Staub; Wolkenkratzer zerkrümeln. Und so geht es überall zu auf der Erde: Dies ist der Judgement Day, der nuklear einen erbarmungslosen Vernichtungskrieg zwischen Menschen und Maschinen einleitet. Mehr als 3 Milliarden fallen allein dem Tag des Jüngsten Gerichts zum Opfer.

Dieser Krieg ist einer der Grundmotive in der „Terminator“-Filmreihe, die nun mit dem Blockbuster „Terminator: Genisys“ in die fünfte Runde geht. Die erste hatte der megalomanische Regisseur James Cameron im Jahr 1984 eingeläutet mit seinem wegweisenden „Terminator“, der auch wesentliche andere Motive und Figuren etablierte, die spätere Kinofortsetzungen – auf Neudeutsch: Franchise – aufnahmen. Als da ist: die junge Sarah Connor, die von einem aus der Zukunft kommenden Terminator eliminiert werden soll, weil sie John Connor, den Anführer der Menschen im Krieg gegen die Maschinen, gebären wird. Ihr zur Seite steht Kyle Reese, ebenfalls aus der Zukunft entsandt, um mit Sarah diesen John zu zeugen. Und natürlich ist da der Terminator selbst, der später nicht allein Sarahs Leben verschont, sondern sie sogar beschützt und humanoide Züge entwickelt.

Ja, der Terminator versucht sogar irgendwann zu lächeln wie ein Mensch – Arnold Schwarzenegger hat in der Rolle eines Androiden und mit dem Satz „I’ll be back“ geradezu ikonographische Berühmtheit erlangt. Auch in „Terminator: Genisys“ ist Schwarzeneggers T-800 wieder dabei und wird „Pops“ genannt, weil er so human agiert. Man schreibt das Jahr 2029; die Menschen kämpfen gegen das mächtige Skynet-Imperium und dessen Maschinen. John Connor schickt erneut den in den Ruinen der Zivilisation groß gewordenen Kyle Reese zurück in die Vergangenheit, um seine Mutter Sarah zu retten, die vom durch die Zeit gereisten Terminator bedroht wird.

Im Jahr 1984 angekommen, ist dieses Mal indes alles anders, als es Kyle erwartet hatte. Sarah (Emilia Clarke) etwa weiß bereits, was geschehen wird. Und auch beim Zuschauer wird ausgiebig Verwirrung gestiftet, wenn die sogenannten Timelines, die Zeitschienen der Handlung, aber auch die Erinnerungen und Perspektiven der Filmfiguren darauf mehrfach überlagert werden – als wenn so eine Zeitreise an sich nicht schon kompliziert genug wäre! Das führt dann beispielsweise dazu, dass der etwa 50-jährige John Connor – zumindest hält man ihn dafür – die etwa 25-jährige Sarah irgendwann mit den Worten „Hi, Mum!“ begrüßt. Wobei hier ein Generationen-Chaos überhöht wird, das längst Einzug gehalten hat in unsere Gegenwart. Ausgesprochen unterhaltsam ist es zudem, Schwarzenegger gegen sich selbst antreten zu sehen, wenn 1984 der tödliche T-800 von seinem älteren, aber nun empathischen Selbst ausgeschaltet wird.

„Ich bin alt, aber nicht veraltet!“

Diese Vorbehaltlichkeit der Timelines und die Verteidigung der Handlungsmacht des Einzelnen hat sich dieser Film in der Regie von Alan Taylor (u.a.„Game of Thrones“) neu auf die Fahne geschrieben. Deswegen baut er auch die Geschichte Sarahs aus, die kein widerborstiges Psychiatrie-Opfer mehr ist wie seinerzeit Linda Hamilton in „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1994), sondern nun eine Art weiblicher Elitesoldat. Und auch ihr künftiger Lover Kyle (Jai Courtney) hat im Vergleich zu den Vorgängern an Charisma verloren, aber an Militanz gewonnen.

Bald ist man dankbar dafür, dass wenigstens Arnold Schwarzenegger einen darstellerischen Anschluss an die Vergangenheit gewährleistet. Und genau das tut der Ex-Gouverneur von Kalifornien mit großer Würde. Sein Terminator altert nicht nur, inklusive weißem Haar – er ist sich auch klar darüber, ein altes Modell zu sein, weiß aber souverän damit zu umzugehen: „Ich bin alt, aber nicht veraltet!“

Schwarzeneggers demonstrativ maskenhaftes Grinsen gehört zu den schönsten Phänomen in einem Film, der einen sonst nicht besonders beschäftigt. Gewiss – da sind all die Explosionen, Kollisionen und Mutationen, aber deren Sensationswert hat sich längst erschöpft durch viele andere Hollywood-Blockbuster, in denen man so etwas gesehen hat, nicht zuletzt in all den „Terminator“-Filmen. Wie der Not einer nicht mehr möglichen ästhetischen Überbietung gehorchend, geriert sich „Terminator: Genisys“ vor allem als Zitatenspiel. Ganze Szenen werden nachinszeniert. Das Phänomen des Liquid Shape Changer, der sich aus allen Stoffen materialisieren und alle Formen annehmen kann, war 1994 in Camerons zweitem „Terminator“-Film visuell spektakulär. Jetzt ist es allenfalls nett, T-1000 wiederzubegegnen.

Wenn „Terminator: Genisys“ eines klar macht, dann das: Wir haben das alles schon gesehen und gehört, zumindest im Kino. Die Kritik an einer Politik übermächtiger Algorithmen, wie sie hier mit dem Skynet-Thema versucht wird, wirkt dabei nur implantiert. Die Figur des Terminators gewinnt gegenwärtige Dringlichkeit – der Film an sich nicht.