Ein Motiv aus der Terres-des-femmes-Kampagen #unhatewomen. 
Foto: Terre des femmes

BerlinDer Sinn dieses Textes hier besteht zuerst darin, einer Kampagne von Terres des femmes auch hier Aufmerksamkeit zu verschaffen. Es geht in #unhatewomen, kurz vor dem Frauentag, um misogyne, gewaltverherrlichende Texte im deutschsprachigen Rap. Und es geht darum, dass damit Schluss sein soll.

Das Thema ist leider nicht neu. Es hat derzeit durch die Ausfälle des Berliner Rappers Fler vielleicht mal wieder etwas breitere Aufmerksamkeit bekommen. Die entsprechenden Debatten sind geführt worden, Kunstfreiheit und Sittlichkeit stehen in einem Spannungsverhältnis, in das der Gesetzgeber schwer eingreifen kann. Es ist unmöglich, gesetzlich eine Grenze zu ziehen, ab der Sexismus und Gewaltverherrlichung in der Kunst nicht mehr gestattet sind. Zugleich ist es erlaubt, Grenzen des Geschmacks, des Anstands und auch des Schmerzes zu überschreiten.

Das Argument, dass die Sprechsänger selbst Kunstfiguren seien, deren Spiel mit Tabus in der szenetypischen Konkurrenz eskaliere, gibt ihnen die Freiheit, Dinge zu sagen, die andere verletzen. Dabei ist es unwichtig, ob sie selbst dieses Argument überhaupt verstehen. Man kann nur anprangern und vor den Folgen warnen. Sich zu entziehen reicht nicht.

Die Kampagne von Terre des femmes fordert keine neuen Gesetze, sondern wehrt sich in einer Form, die die Perspektive auf die Verletzten richtet und die gesprochenen Inhalte auf diese Weise wohl ernster nimmt als sie von den Flachköpfen, die sie sich ausgedacht haben, gemeint sein mögen.

Schnitt in die Seele

In einem Video werden Frauen verschiedener Herkunft und verschiedenen Alters gebeten, vor der Kamera diese Texte, die hier nicht wiederholt werden sollen, zu sprechen. Es sind schmerzhafte Bilder, es spiegeln sich nicht nur Ratlosigkeit und Entsetzen in den Augen der Frauen, sondern auch ihre ganz konkrete seelische Verletzung. Es scheint so, als hätten sie bis zur Aufnahme nicht gewusst, was sie da vorlesen werden, und man muss den Augenblick, in dem das Gelesene in ihr Bewusstsein dringt, miterleben. Vor laufender Kamera sehen wir, wie die verbale Gewalt ihren Schnitt setzt.

Nein, es ist nicht unzulässig, die Texte aus dem Kontext zu reißen, sondern es ist selbst Kunst. Sie lässt den Betrachter ahnen, wie verheerend diese Texte wirken können. Sie zeigt, dass wir zwar verletzlich, aber weder verroht, noch wehrlos sind.