BerlinDas ist mal ein geigensatter, geigenseliger, größenwahnsinniger Einstieg: In ihrem Song „Hoffnung“ umgarnen Tocotronic ihr Publikum erst mit süßlichen Klischeeklängen, einer kleinen Überwältigungsgeste. Dann allerdings legt Sänger Dirk von Lowtzow seine brüchige Stimme darüber und verbreitet tiefgründelnde Düsternis. Es geht um Isolation, um das Alleinsein und darum, keinen Ausweg zu finden. „Ich hab den Boden / Schwarz gestrichen / Wie komm ich aus / Der Ecke raus?“ Die Pointe hier: Die Isolation ist offenbar selbstverschuldet. Eben deswegen muss es auch einen Ausweg geben, einen Grund zur Hoffnung: „Hier ist ein Lied / Das uns verbindet / Und verkündet: / Bleibt nicht stumm.“

Und weil es bei Tocotronic immer um das Große und Ganze im Kleinen und Nichtigen geht, wird aus dem depressiven Weltschmerz sogar noch ein euphorischer Liebesschwur: „Wenn ich dich nicht / Bei mir wüsste / Hätte ich / Umsonst gelebt.“ Die Liebe, eine himmlische Macht! Damit ist die Hamburger Band an ihr ekstatisches Maximum gekommen. Der Song „Hoffnung“, der im April dieses Jahres erschien, ist der Soundtrack zum Corona-Lockdown. Denn an dieser Wahrheit kann niemand zweifeln, weder in ästhetischer noch in lebenspraktischer Hinsicht: „In jedem Ton / Liegt eine Hoffnung / Auf einen neuen / Zusammenhang.“ Auch der Hilferuf ist ein Ton, der auf den Zusammenhang hofft.

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