Robert Pattinsonin in einer Szene von „The Devil All The Time“.
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Der junge Marine Willard (Bill Skarsgård) will in der rauen Provinz des Mittleren Westens eine Familie gründen. In der Kellnerin Charlotte (Haley Bennett) hat er auch schon die richtige Frau gefunden. Doch seine Mutter hat Gott etwas anderes versprochen: Als Dank dafür, dass ihr Sohn heil von der Front zurückgekehrt ist, soll er die strengreligiöse Waise Helen (Mia Wasikowska) heiraten. Letztlich wird Willard mit Charlotte zusammenkommen und Helen mit dem aufstrebenden Priester Roy (Harry Melling). Doch was nach einer glücklichen Fügung klingt, ist in der Netflix-Produktion „The Devil all the Time“ das genaue Gegenteil. Denn nur eine halbe Stunde nach Filmbeginn sind alle vier Vermählten aus unterschiedlichen Gründen tot.

Basierend auf Daniel Ray Pollocks, zwischen den Jahren 1945 und 1966 angesiedeltem Roman „Das Handwerk des Teufels“, begibt sich Regisseur Antonio Campos in eine Region, die von Armut, Gewalt und fanatischem Glauben geprägt ist. Dreh- und Angelpunkt der Handlung bleiben auch weiterhin die beiden Familien, beziehungsweise ihre Nachkommen Arvin (Tom Holland) und Lenora (Eliza Scanlen). Dass die meisten der zahlreichen Figuren nicht lange am Leben bleiben, hat mit schweren Schicksalsschlägen und falschen Entscheidungen zu tun, aber auch mit einem vergifteten gesellschaftlichen Klima, in dem man eigentlich nur kaputtgehen kann.

Es ist kein Zufall, dass lediglich der Zweite Weltkrieg und der Vietnamkrieg als historische Ereignisse in diese ursprüngliche Welt dringen. Denn auch der Provinzalltag gleich einem Schlachtfeld, auf dem sich Männer gegenseitig blutig prügeln und Frauen zu Freiwild werden. Die meisten Figuren sind, wie Arvin, zwar gerade einmal erwachsen, sehen mit ihren geschundenen Körpern und verhärmten Gesichtern aber bereits wie alte Leute aus. Nur in den Augen funkelt ein wenig Hoffnung darauf, dass der Kreislauf des ewigen Leids irgendwann ein Ende findet.

Nicht immer überzeugt die Dramaturgie, in der die Welt der Unterpriveliegerten etwas umständlich mit einem korrupten Dorfsheriff und einem Serienkillerpärchen zusammengebracht wird. Zu sehr scheint sich Campos dabei auf eine aus- und abschweifende literarische Erzählweise zu verlassen, die seinem Film Intensität raubt. Gelungen ist dafür die Entscheidung, mit einem mal sarkastischen, dann wieder tröstlichen Erzähler – der im Original vom Autor selbst gesprochen wird – die Orientierung zu erleichtern.

Narzistische Allmachtsfantasien

Am stärksten ist „The Devil all the Time“ immer dann, wenn er sich dem religiösen Wahn hingibt und die fast durchweg tollen Schauspieler bis zum Äußersten treibt. Etwa wenn Bill Skarsgård als manischer Willard den Hund seines Sohnes erschießt, um mit diesem Opfer den Krebstod seiner Frau zu verhindern oder ein genial dämonischer Robert Pattinson als neuer Pfarrer jede Predigt zur eitlen Selbstinszenieung nutzt. Dabei demonstriert Campos' düsteres Drama, wie der Glaube für die einen zum letzten Ausweg vor der Verzweiflung wird und für die anderen eine Möglichkeit, narzisstische Allmachtsfantasien auszuleben. Nichts als Zerstörung bringt er jedoch in beiden Fällen.

The Devil all the Time vom 16. September an bei Netflix