„Die Geschichte der Dienerin “mit Natasha Richardson (m.).
Foto: Cinecom Pictures

Viele kennen die Fernsehserie „Die Geschichte der Dienerin“, die seit 2017 auf dem Videoportal Hulu ausgestrahlt wird und in deren Titelrolle Elizabeth Moss Erfolge feiert. Viele auch kennen den 1985 erschienenen, gleichnamigen Bestseller-Roman von Margaret Atwood, der die Vorlage für diese Serie lieferte und der 2019 mit „Die Zeuginnen“ eine vielbeachtete Fortsetzung erfuhr. Weniger Leute allerdings kennen Volker Schlöndorffs Verfilmung der Atwood’schen Dystopie, die 1990 in die Kinos kam; sie ist nunmehr auf DVD und Bluray in einer Neuveröffentlichung als Mediabook greifbar.

Atwoods düsterer Zukunftsentwurf steht in der Tradition der beiden Klassiker der Science-Fiction-Literatur „Schöne neue Welt“ (1932) von Aldous Huxley und „1984“ von George Orwell, 1949 erschienen. Wie diese stellt auch „Die Geschichte der Dienerin“ das bedrückende Bild einer totalitären Gesellschaft dar. Mit der Republik Gilead schildert Atwood einen misogynen, religiös-fundamentalistischen Patriarchen-Staat, in dem unterprivilegierte Frauen den Herrschenden als Sexsklavinnen und Gebärmaschinen dienen. Andersdenkende, Andersgläubige und Andersaussehende werden nicht nur ausgegrenzt, sondern ausgemerzt, indem man sie in verpesteten, unbewohnbar gewordenen Landstrichen, die als Todeszonen gelten, sich selbst überlässt.

Wie jede Dystopie, die etwas taugt, bietet auch diese einen hohen Wiedererkennungswert und Raum genug für Furcht und Schrecken. Beispielsweise ist das zentrale Mittel zur Unterdrückung der Frau, ihr neben dem Recht auf körperliche Selbstbestimmung auch das Recht auf Bildung abzusprechen. Das gesellschaftliche System selbst ist klar gegliedert, und die einzelnen Kasten sind, der besseren Unterscheidbarkeit halber, farblich gekennzeichnet. Das gibt Schlöndorff und seinem Kameramann Igor Luther die Gelegenheit zu einigen eindrücklichen Massen-Choreografien, in denen die Vernichtung der Individualität sichtbar gemacht wird.

Mit Natasha Richardson, Faye Dunaway, Robert Duvall und Aidan Quinn ist Schlöndorffs Film prominent besetzt; zudem basiert er nominell auf einem von Harold Pinter adaptierten Drehbuch. Allerdings stand die Produktion unter keinem guten Stern. Regie sollte zunächst Karel Reisz führen und in der Titelrolle Sigourney Weaver agieren. Zahlreiche Änderungswünsche am Drehbuch sowie Finanzierungsverzögerungen führten jedoch dazu, dass die Terminpläne nicht mehr passten, so kamen Schlöndorff und Richardson ins Spiel. Der Regisseur überwarf sich dann aber mit dem Drehbuchautor, der am Ende sogar seinen Credit zurückziehen wollte. Alles eher unschön. Dem Film ist das als allgemein spürbare Zögerlichkeit auch anzumerken. Doch ist es genau diese, die heute das Bedrängende dieses Weltentwurfs vertieft. 

Die Geschichte der Dienerin USA/Deutschland 1990, Regie: Volker Schlöndorff, justbridge entertainment, ca. 16 Euro