Earl Stone liebt die flüchtigen Freuden. Auf kurze Distanz kann er enorm einnehmend sein. Er besitzt einen leichtfüßigen Charme; nie ist er um ein Kompliment für Fremde verlegen. Das Glanzstück unter den Züchtungen des hingebungsvollen Gärtners sind Tageslilien, die nicht viel länger blühen, als ein Drogenrausch dauert.

Seine Rolle in Beziehungen, die nachhaltig sein müssten, hat der 90-Jährige nicht gefunden. Wenn man so alt ist, zahlt man dafür den Preis. Seine Frau hat sich nach zehn Jahren von ihm scheiden lassen, seine Tochter spricht nicht mehr mit ihm, seit er ihre Hochzeit verpasst hat. Nur seine Enkeltochter hofft, dass er zu ihrer Verlobung kommen und für sie da sein wird. Und tatsächlich, diese Familienfeier versäumt er nicht. Seine Gärtnerei ist bankrott, ein Opfer des Internets, und der alte Mann weiß nicht, wohin er sonst gehen soll. Auch diesmal enttäuscht er seine Familie. Clint Eastwood, dessen Figuren sonst stolz auf ihrer Autarkie beharren, bleibt keine Wahl, als diesmal deren Scheitern einzugestehen.

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