Al Pacino (l) und Robert De Niro in „Heat“.
Foto: Box Office

BerlinDie meisten Spielfilme enden nach 90 Minuten. In Michael Manns Epos „Heat“ (1995) befinden wir uns dabei ungefähr bei der Hälfte – und mitten in einem magischen Kino-Moment. Zwei Männer sitzen sich für ein paar Momente angespannt gegenüber: leitender Polizist der eine, Gangster-Boss der andere.

Sie sind Feinde, empfinden jedoch durchaus gegenseitige Sympathien. Gleich werden sie wieder auseinandergehen, um ihren Kampf wieder aufzunehmen. Es war die erste gemeinsame Leinwandszene von Al Pacino und Robert De Niro. „Heat“ lebt von der Präsenz dieser beiden Darsteller. Die Schlüsselszene des Films verweist auf ein in vielen Werken Michael Manns dominantes Grundmotiv.

Der jetzt mit einer ersten umfassenden Retrospektive in Berlin gewürdigte Hollywood-Regisseur interessiert sich für den schmalen Grat zwischen Gut und Böse. Viele seiner Figuren balancieren auf dieser Scheidelinie. Schon in seinem ersten Kinofilm „Thief“ (1981) entwarf er die Tragödie eines lauteren Tresorknackers (James Caan), der glaubt, sich mit seinem Handwerk eine kleinbürgerliche Existenz aufbauen zu können.

Die Werkschau im Arsenal umfasst alle elf Spielfilme Manns sowie die TV-Produktion „The Jericho Mile“ (1979). In dieser Konzentration fällt neben der zunehmenden visuellen Eleganz auch die stets spürbare Liebe zur Musik auf. Beides hat miteinander zu tun. In seinen besten Momenten sprüht das Œuvre des Filmemachers geradezu von choreografischer Verve. Dies wird wiederum an „Heat“ deutlich. Selten in der jüngeren Filmgeschichte flossen visuelle und akustische Signale derart symbiotisch ineinander. Die Musik von Brian Eno, Moby, Lisa Gerrard (Dead Can Dance) oder von den Einstürzenden Neubauten und dem Kronos Quartet wirkt dabei nie ausgestellt, bildet ein der Dramaturgie stets dienliches Moment – funktioniert aber auch als ausgekoppelter Soundtrack auf CD ganz hervorragend.

Dass er schon immer gern mit Musik experimentierte, beweisen zwei frühe Arbeiten Manns. Für „Thief“ beauftragte er Tangerine Dream mit der Komposition. Obwohl er für das Geblubber und Geraune der Krautrocker damals viel Hohn erntete, verpflichtete er sie 1985 für sein nächstes Projekt gleich noch einmal. „The Keep“ („Die unheimliche Macht“). Die bizarre Mischung aus Weltkriegsfilm und Karpaten-Mystery führt den Wehrmachtsoffizier Woermann (Jürgen Prochnow) in ein Dorf in Transsilvanien, wo er seine Kompanie unterbringen will. Die tölpelhaften Soldaten erwecken dort eine böse Macht, die bald mehr Aussicht auf Erringung der Weltherrschaft hat als sämtliche Armeen Hitlers. Die SS vermutet Partisanen hinter dem Dämon, und macht alles noch viel schlimmer. Und immer blubbern dazu die teutonischen Synthesizer.

„The Professional “– Retrospektive Michael Mann, Arsenal, noch bis zum 30. September