„The Promise“-Schauspieler Christian Bale: „Im Superhelden-Kostüm werden Sie mich nicht mehr sehen“

Seit seine Schauspielkarriere Mitte der 80er-Jahre begann, hat der in Wales geborene Wahl-Amerikaner Christian Bale selten eine längere Pause vor der Kamera eingelegt. In dieser Woche startet das umstrittene Armenien-Drama „The Promise – Die Erinnerung bleibt“ in unseren Kinos. Und natürlich hat der 43-jährige Vater von zwei Kindern auch seinen nächsten Film schon wieder abgedreht: Beim Filmfestival in Toronto feiert im September der Western „Hostiles“ Premiere.

Mr. Bale, „The Promise“ handelt vom Untergang des Osmanischen Reiches und dem Völkermord an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts. Waren Sie mit diesem dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte vertraut?

Zu meinem eigenen Erschrecken wusste ich rein gar nichts über diesen Völkermord. Und war dann noch schockierter, dass ich damit längst nicht der Einzige war. Eigentlich hatte niemand, mit dem ich im Vorfeld des Films sprach, in der Schule oder sonst irgendwo etwas darüber gelernt.

Haben die im Film gezeigten Ereignisse heute noch Relevanz?

Oh ja, das wurde mir damals schnell klar. Im Fernsehen war zu sehen, wie in den nordirakischen Gebirgen Tausende Jesiden von der Terrormiliz Islamischer Staat eingekesselt und ermordet wurden. Die Ähnlichkeiten zu dem, was ich im Drehbuch über das Schicksal der Armenier las, war erschütternd. Es ist fürchterlich, wie sich Geschichte immer aufs Neue wiederholt.

Bei allem Grauen erzählt der Film auch von der Liebe. Genauer gesagt von einer Dreiecksgeschichte.

Ich gebe zu, dass ich anfangs unsicher war, warum es unserem Regisseur Terry George so wichtig war, beides thematisch auf diese Art und Weise miteinander zu verbinden. Ich hatte den Eindruck, man müsse die Brutalität der Ereignisse noch viel drastischer zeigen. Doch Terry erklärte mir, dass man gerade bei einem so wenig bekannten Kapitel unserer Geschichte versuchen müsse, ein möglichst breites und vor allem junges Publikum zu gewinnen. Hätte man ausschließlich das Grauen gezeigt, wäre es schwer geworden, die Menschen wirklich zu erreichen statt nur zu verstören. Über die Liebesgeschichte gelingt es hoffentlich, einen persönlicheren Zugang zu dieser Thematik zu finden.

Sind die Unterschiede zwischen Ihnen und Ihrem Filmpartner Oscar Isaac in der Realität genauso groß wie im Film?

Oscar ist ein toller Typ und ohne Frage einer der besten Schauspieler seiner Generation. Aber tatsächlich sind wir ziemlich verschieden, würde ich sagen. Wie gesagt: Er ist ein echter Schauspieler. Und ich bin das – ohne dass ich kokett sein will – irgendwie nicht.

Wie meinen Sie das denn?

Na ja, ich kann Ihnen etwas darüber erzählen, wie ich meine Rollen spiele. Aber über die Schauspielerei als Handwerk und als Kunstform weiß ich nicht das Geringste. Deswegen bin ich anders als Oscar und die meisten anderen Kollegen bei Dreharbeiten so gar nicht gesellig.

Das müssen Sie bitte ein bisschen genauer erklären...

Für mich ist die Schauspielerei etwas, das ich aus dem Bauch heraus mache. Ich habe keine Technik, die es mir erlaubt, von einer Sekunde auf die nächste umzuschalten und zurück in der Rolle zu sein. Deswegen ziehe ich mich während der Arbeit meistens zurück und bleibe in meiner eigenen Welt. Das tut mir manchmal leid, weil ich eine gewisse Distanz halte zu meinen Kollegen und der Crew. Aber wenn ich die zu gut kennenlerne, dann will ich mich als Privatmensch mit denen amüsieren und könnte mich nicht mehr darauf konzentrieren, vor der Kamera jemand anderes zu sein.

Privat sind Sie aber nicht ganz so kontaktscheu, oder?

Es gibt sicher größere Eigenbrötler als mich. Allerdings würde ich schon sagen, dass ich mich nicht selten umgeben von Kindern und Tieren wohler fühle als zwischen lauter smarten Erwachsenen. Das Gefühl zu haben, immer etwas Intelligentes zum Gespräch beitragen zu müssen, setzt mich manchmal unter Druck.

Dabei scheinen Sie Druck doch gut auszuhalten. Zumindest gibt es nur wenige Schauspieler, die für Ihre Rollen so häufig so radikal Grenzen überschreiten.

Für mich war in dieser Hinsicht immer Jimi Hendrix ein Vorbild. Als Kind sah ich ihn Gitarre spielen und war wie vom Donner gerührt. So wie er in diesem Moment aussah, wollte ich auch wenigstens einmal im Leben fühlen. Dieser vollkommen selbstvergessene Gesichtsausdruck, diese Ekstase, die blutig gespielten Finger. Daran wollte ich in meinem Beruf zumindest ansatzweise herankommen.

Eine letzte Frage noch mit Blick auf Ihre Batman-Vergangenheit: Werden wir Sie jemals wieder in einem Superhelden-Film sehen?

Nein, mit dem Thema bin ich durch. Verstehen Sie mich nicht falsch, denn ich bin sehr stolz auf die drei Batman-Filme, die ich mit Christopher Nolan gedreht habe. Wenn man schon Comic-Verfilmungen dreht, dann sollte man verdammt noch mal die besten drehen, die es gibt. Genau das ist uns gelungen. Aber Chris hatte immer gesagt, dass es bei drei Filmen bleibt, und ich war da stets seiner Meinung. Deswegen halte ich es für ziemlich ausgeschlossen, dass Sie mich je wieder in einem Superhelden-Kostüm sehen werden.

Das Gespräch führte Patrick Heidmann.