Chloé Zhaos Film „The Rider“ lässt sich auf verschiedenste, aber im besonderen auf zwei Arten betrachten, nämlich mit oder ohne Vorwissen über seine unglaublichen Produktionsbedingungen. Nehmen wir die Szene, in der der Rodeoreiter Brady ein neues Pferd bändigt. Immer wieder spricht er dem Hengst gut zu, versucht dem störrischen Temperament unsichtbare Zügel aufzulegen, bis ihn das Tier schließlich aufsitzen lässt und er zu seinem Kollegen sagen kann: „Er fühlt mich.“ Es ist einer von vielen bewegenden Momenten in einem Film, den man überhaupt mehr fühlt als sieht. In solchen Szenen steht aber auch eine Frage im Raum: Wie zum Teufel haben sie das gedreht?

Als die Filmemacherin ihren späteren Hauptdarsteller kennenlernte, bei den Dreharbeiten zu ihrem Debüt „Songs My Brothers Taught Me“, war er noch gesund. Zwei Jahre später hatte Brady Jandreau eine Metallplatte im Kopf. Die Geschichte, die Zhao nun erzählt, ist seine eigene: Brady, der zu Beginn eine riesige Kopfnarbe entblößt und gleich wieder bedeckt, darf eigentlich nicht mehr reiten. Immer wieder wird er es dennoch versuchen, denn das Rodeo, wo er sich die Verletzung zuzog, ist sein Leben. Er ist ein Cowboy, doch was ist ein Cowboy ohne sein Pferd? Seine Hand zittert, auch das eine Folge des Sturzes. Das staunenswerte Handwerk einer überkommenen Tradition, ohnehin nur noch der Show dienlich, droht ihm gänzlich zu entgleiten.

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