Javier Bardem und Elle Fanning in ihren Rollen als Vater und Tochter
Foto: Adventure Pictures

Berlin Ein Mann liegt bewegungslos in einem Bett. Der Schauspieler ist Javier Bardem, man muss an den Film „Das Meer in mir“ denken, in dem er einen querschnittsgelähmten Mann spielt. Doch dieser Mann hier, Leo, steht unter Mühen auf, mit Hilfe einer Pflegerin und seiner Tochter. Der Film „The Roads not Taken“ begleitet Leo einen Tag über, an dem nur ein Zahnarzt- und ein Augenarztbesuch anstehen, der aber dramatische Überraschungen bereithält. 

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Er folgt Wegen (Roads) durch New York City, geht aber auch Wege der Erinnerung, die die Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter parallel montiert hat: Leo im wortlosen Ringen mit seiner früheren Frau Dolores (Salma Hayek), Leo in Griechenland am Meer, wo er ein Mädchen beobachtet, es ist so blond wie seine Tochter.

Fanning überzeugt in ihrer Rolle als emotionale Tochter

Elle Fanning, die Leos Tochter Molly spielt, hat zum zweiten Mal mit Sally Potter gedreht, beim ersten Mal war sie 13, 2012 in „Ginger & Rosa“. Sie hat die interessanteste Rolle des Films, verkörpert die   liebende Tochter in vielen Farben. Sie unterbricht Gespräche, in denen der Vater in der dritten Person erwähnt wird, fordert Respekt. Er sei ja anwesend.

Ihre Mutter, Laura Linney in einem Gastauftritt in der Krankenhaus-Notaufnahme, hinterfragt das: Ist er das noch? Molly erlebt am Telefon mit, wie ihr das eigene Leben zu entgleiten droht, ihr ein wichtiger Auftrag in ihrem Job entgeht. Elle Fanning zeigt überzeugend Sorge, Angst, Mitgefühl, Hoffnung und auch Freude.

Es desolater Vater (Javier Bardem) neben seiner liebenden Tochter (Ella Fenning), deren Rolle weitaus facettenreicher ist.

Quelle: Youtube

Javier Bardem spielt Leo in jeder Phase in desolatem Zustand: In der Gegenwart hindert ihn die Krankheit, seine Handlungen zu kontrollieren. In den Rückblenden wirkt er aber ebenfalls depressiv. Das macht den kurzen Film (85 Minuten) zu einem wichtigen Thema ein bisschen langweilig.

Sally Potter gilt als feministische Filmemacherin. In „The Roads Not Taken“ hat sie zwar einen berühmten Schauspieler besetzt, doch die eigentliche Hauptrolle ist die der Tochter. Und es sind die früheren Frauen ihres Helden, die in der Lage sind, über ihre Wege Entscheidungen zu treffen. Vielleicht fällt deshalb nie das Wort Demenz in dem Film: weil Leo nicht nur an der schwindenden Leistung seines Hirns krankt, sondern auch an seiner Männlichkeit.