Die kanadische Provinz Alberta ist unheimlich paradiesisch mit ihrer einzigartigen Landschaft: Rauhe Natur trifft auf schneebedeckte Berge und surreal blaue Seen. Ein Ort, wo die Welt noch in Ordnung ist. Man möchte eine Holzhütte bauen und auf einem Wildpferd durch die Prärie reiten. Kein Wunder, dass Nils Edenloff, Frontmann der Band The Rural Alberta Advantage, in seinen Songs immer wieder auf seine geliebte Heimat zu sprechen kommt.

In Edmonton, der Hauptstadt Albertas, wo seine musikalische Karriere begann, hat er sein Herz gelassen. Das hört man. Schon auf dem Debutalbum „Hometowns“ besingt Edenloff die an den Rocky Mountains gelegene Stadt Frank und erinnert an den größten Erdrutsch in der Geschichte Nordamerikas, der die Stadt komplett zerstörte. Im Zweitwerk „Departing“ taucht die Songzeile „Black sky comes to take you from me“ auf, die den verheerenden Tornado von 1987 in Edmonton musikalisch verarbeitet.

Schicksalsschläge, Naturkatastrophen, aber auch Liebe und Sehnsucht - all das spielt eine wichtige Rolle in den Songs, die der Sänger gemeinsam mit Schlagzeuger Paul Banwatt und Keyboarderin Amy Cole auf die Bühne bringt. Am Mittwochabend waren die drei Musiker zu Gast im Kreuzberger Lido, das mit rund 300 Fans gut gefüllt, aber nicht überfüllt war.

Mitten unter den Fans

Den Abend eröffnete die Gruppe mit dem Superhit „Stamp“, den man eigentlich erst als Zugabe erwartet hatte und der die angestaute Energie der Drei leidenschaftlich darbot. Das treibende Schlagzeug, die herzzerreißende Stimme und Amys zart gehauchtes „Uuuhh“ im Hintergrund machen dieses Liebeslied zum absoluten Lieblingssong. Auch wenn die Band gerade für ihr neues Album „Mended With Gold“ auf Tour ist, dominierten die früheren Lieder das Konzert. Von der neuen Platte bleibt vor allem „Terrified“ im Gedächtnis, das live ebenfalls durch das bandtypische, galoppartige Schlagzeug Eindruck macht.

Zwischendurch lobte Frontmann Edenloff mehrmals zu Recht die kanadische Vorband PS I Love You, die garagenartigen Rock mit Punkelementen mischte. Drummer Benjamin Nelson und Gitarrist Paul Saulnier könnten unterschiedlicher zwar kaum sein, und doch kann man sich bei der Zweierformation eine tiefe Freundschaft seit der Kindheit vorstellen. Auch The Rural Alberta Advantage merkte man diese Verbundenheit beim Spielen an. Amy forderte die Fans immer wieder zum Mitklatschen auf, schnappte sich irgendwann zwei Sticks und hämmerte wie wild zusammen mit Schlagzeuger Paul auf die Standtom ein. Kaputt ging sie trotzdem nicht.

Emotional und fast schon besinnlich ging das Konzert dann mit dem Lied „Good Night“ zu Ende, das die Band allerdings nicht auf der Bühne performte, sondern mitten im Lido zwischen den Fans. Die Stimmen von Nils und Amy offenbarten dabei ihre volle Schönheit und ließen das Publikum vollends glücklich zurück. Ein gelungenes Konzert!

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