Es ist eine Szene, die Adornos geflügeltes Wort, wonach es im falschen Leben kein richtiges gäbe, nachträglich zu bestätigen scheint: Wir sehen eine Gruppe von Leuten, allesamt weiß und steinreich, irgendwo im Obergeschoss eines herrschaftlichen Hochhauses an der Upper East Side, mit Blick auf die Skyline. Sie sind für eine Spendenaktion zusammengekommen: Man sammelt Geld für die renommierte Privatschule der eigenen Kinder, um deren Bemühungen nach mehr Vielfalt zu fördern und die Aufnahme weniger reicher Schüler zu ermöglichen. Auf der Auktion wird, um das totale Commitment der Teilnehmer zu demonstrieren, ein Glas Leitungswasser für 1000 Dollar zur Auktion freigegeben (und für 10.000 verkauft).

Es ist die unterschwängliche Verlogenheit und ritualisierte Eingespieltheit dieses Spektakels, die teleskopische Philanthropie der Teilnehmer – ein Gutmeinen „aus sicherer Distanz“, das weder die eigene Privilegiertheit noch den eigenen Rassismus infrage stellt –, welche „The Undoing“ zwar kritisiert, in seiner geschliffenen Ästhetik aber auch als Ideal fetischisiert: als Leben fernab der Probleme von Normalsterblichen. Ein Leben, in dem Leute durch Geld mit sprichwörtlich allem fertig werden – selbst mit Mord.

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