Mit dem letzten Teil ihrer „Blood and Ice-Cream“-Trilogie liefern Edgar Wright und Simon Pegg einen Gegenentwurf zu den Weltuntergangsfantasien der Blockbuster. Statt auf Übermenschen in Metropolen setzt ihre Apokalypse auf ein Komödienpersonal aus Normalos und auf eine englische Kleinstadt als Handlungsort. Nach 20 Jahren treffen sich hier fünf Freunde wieder, um eine Mission zu erfüllen: Ein Kneipenmarathon durch die Pubs der Stadt soll absolviert werden. Das wagten die Männer schon zu Jugendzeiten, scheiterten aber damals am Alkohol und an Ablenkungen durchs andere Geschlecht.

Dass beim zweiten Anlauf ganz andere Hindernisse den Weg zum Ziel-Pub erschweren, verrät schon der Trailer. In der Tat findet der Film erst zu großer Form, wenn die Sauftour in den Hintergrund rückt und sozialkritischer Science-Fiction à la „Die Körperfresser kommen“ Raum gibt. Humorvoll werden die Genre-Konventionen im Sinn einer Hommage erfüllt; die satirischen Überzeichnungen in „The World’s End“ zielen ganz auf Konsumkultur und Fortschrittsglauben. Nicht Überlegenheit über die filmischen Ahnen kommt hier zum Ausdruck, sondern tiefe Verbundenheit.

Unter den Elementen, die diesen Film kennzeichnen, ist die Komödie nur das offensichtlichste; daneben stehen Kampfszenen, Horror und Tragik, die nicht immer im Gag aufgelöst wird. Auch wenn die Freunde von einem Pub zum nächsten hetzen, ist es doch das Schielen auf die Verirrungen am Wegesrand, die „The World’s End“ ausmachen. Die scheinbar simple Struktur erweist sich spätestens dann als trügerisch, wenn das Weltenende kompromisslos ausgestaltet wird und eine verschachtelte Erzählung preisgibt, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kurzgeschlossen sind.

So hört etwa Gary immer noch die alten Sisters-of-Mercy-Kassetten. Seine alten Freunde staunen, als er mit einem Auto vorfährt, das aussieht wie der Ford Granada aus Jugendzeiten. Es sei das Original, erklärt Gary und ergänzt eine lange Liste der Teile, die ausgetauscht wurden. Garys Auto wird zum philosophischen Paradox, das Fragen nach Identität und Originalität aufwirft, die der Film auf seine Figuren und deren Heimat ausweitet. Das Kaff entpuppt sich als Simulation, in der nicht nur die alten Pubs, sondern auch die Bürger ersetzt wurden. Letztere durch Roboter.

Die Antihelden von „The World’s End“ sind so ambivalent wie die Welt, in der sie leben. Zwischen dem totalitären Geniewahn der Außerirdischen und einer austauschbaren Franchise-Kultur versuchen sie Mensch zu bleiben. Dass das nicht leicht ist und dem Immobilienmakler mit dem Handy-Headset die Technik wohl schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, bevor er zum Roboter wurde – daraus macht der Film keinen Hehl. Erlöserpathos gönnt er am Ende auch seiner untergegangenen Welt nicht, in der Humor und Horror nicht mehr voneinander zu trennen sind. Die Zukunft als von Robotern bevölkertes Öko-Mittelalter, in dem nur noch ein Cornetto-Papier zum Träumen anregt – das ist doch passend als Bestandsaufnahme der Gegenwart .

The World's End Großbritannien 2013. Regie: Edgar Wright, Buch: Edgar Wright, Simon Pegg, Kamera: Bill Pope, Darsteller: Martin Freeman, Rosamund Pike, Simon Pegg, Nick Frost, Eddie Marsan u.a.; 109 Minuten, Farbe. FSK ab 12.