Bei der alljährlichen Umfrage, zu der das Fachblatt Theater heute 43 Kritiker aus dem deutschsprachigen Raum zur Abstimmung eingeladen hat, kann das Theater Basel acht Voten und damit schon die Bezeichnung Theater des Jahres 2018“ für sich verbuchen. Die Münchner Kammerspiele folgen mit fünf Stimmen auf Platz zwei. In Berlin bekamen die Schaubühne, das Gorki-Theater, das Deutsche Theater und das HAU jeweils nur eine Stimme. Moment, auch das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm dürfen, vielleicht weil sie abgerissen werden und wohl erstmalig in ihrer Geschichte eine Nennung feiern. Eine große Mehrheit der Kritiker ist sich darüber einig, dass sie sich in der Königsdisziplin Beste Gesamtleistung eines Theaters der Saison“ nicht entscheiden wollten. 14 Mal: keines

Die Theaterstadt Berlin punktet mit großem Abstand vor allem in der Rubrik Ärgernis des Jahres. Das sind noch die Nachwehen des vermasselten Volksbühnen-Intendantenwechsels, über die sich 20 Kritiker ärgern. Zu ihnen gehört auch der hier berichtende, der zur Stimmungsaufhellung schnell zum Bühnenbild des Jahres“ übergeht. Gewonnen hat hier nämlich das Nationaltheater Reinickendorf", errichtet im titelgebenden Berliner Stadtbezirk von den Totaltheatermachern Vegard Vinge und Ida Müller. 

Vierfacher Triumph für Am Königsweg

Das Stück des Jahres“ stammt einmal mehr von Elfriede Jelinek. Zugleich wurde die Einrichtung ihrer Trump-Philippika Am Königsweg“ durch Falk Richter am Hamburger Schauspielhaus zur Inszenierung des Jahres" gewählt. Wobei Benny Claessens in der Hauptrolle auch noch Schauspieler des Jahres" wurde und Andy Besuch die dazugehörigen Kostüme des Jahres“ schneiderte! Vierfacher Triumph, der sich schon bei der allgemeinen, vom Berichterstatter allerdings nicht geteilten Begeisterung auf dem Theatertreffen abzeichnete. Die Schauspielerin des Jahres, Caroline Peters, haben wir in Berlin hingegen schon lange nicht mehr gesehen.

Das Ganze lässt sich im Detail und mit liebevollen Begründungen noch einmal im Jahrbuch von Theater heute nachlesen, das sich darüber hinaus unter dem Titel Neue Konfliktein vielen Texten mit der Heimatfrage und dem Bröckeln der westlichen Demokratie befasst. Ab jetzt im Handel.