Die Kabarettistin und Schauspielerin Maren Kroymann.
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BerlinDie Zahlen sind nach wie vor krass. Nehmen wir vielleicht diese: An den 329 "Tatort"-Sendungen, die zwischen 2009 und 2019 entstanden, haben lediglich vier Frauen insgesamt zwölfmal als Tonmeisterinnen mitgewirkt. Und dabei werden in Filmton-Berufen halb so viele Frauen wie Männer ausgebildet. Wohin verschwinden sie nur? 

Da kann man gleich mit einem Bonmot der Kabarettistin Maren Kroymann anschließen, einem Bonmot zur schlechten Lage, das sie bei der Online-Pressekonferenz von Pro Quote Film am Donnerstag vor dem heimischen Computer parat hatte: "Wenn wir uns zeigen, werden wir nicht gesehen, und wenn wir uns nicht zeigen, werden wir nicht vermisst." Als nur ein Beispiel verwies sie auf ihre Fernseh-Satireshow „Nachtschwester Kroymann“ aus den 90er-Jahren, die damals höhere Zuschauerzahlen gehabt habe als die Harald-Schmidt-Show, der aber 20 Jahre lang kein weiteres Showangebot im Fernsehen gefolgt sei.

Inhaltlich schloss die Online-Versammlung, zu der der Interessenverband eingeladen hatte, an die Berlinale-Veranstaltung von Pro Quote Film im Februar an, und man kann es wirklich nicht oft genug sagen, dass es nicht den geringsten Grund gibt, filmschaffende Männer auf ihr Potential hin zu bewerten, ebensolche Frauen aber immer nur auf ihre Erfahrung. (Selbst Oscar-Preisträgerin Charlotte Link gehe davon aus, dass sie nach einem einzigen Flop sofort raus aus dem Geschäft wäre, sagte die Regisseurin Barbara Rohm aus dem Vorstand von Pro Quote Film). Und dass ein insgesamt diverseres Team kein Quotengift sein muss, sondern durch eine breitere Abbildung der Wirklichkeit mehr Publikum bringen würde, ist auch nur logisch.

Die Ungleichbehandlung von Frauen im Filmbereich wird durch die Veränderungen des Arbeitsalltags unter Coronaschutzbedingungen jetzt aber noch einmal verschärft, wie etliche Beiträge aus den verschiedenen Filmgewerken belegten. Von den Kinderbetreuungspflichten heimarbeitender Drehbuchautorinnen bis zu der noch größeren Verdrängung unter schwieriger werdenden Umständen. Dabei sieht man genau jetzt, was alles möglich ist, wenn es möglich sein muss. Die Produzentin Meike Kordes berichtete, wie alle mithelfen, auch die Kulturstaatsministerin, um Coronaschutzversicherungen für Filmproduktionen zustande zu bringen. Das geht ganz schnell. Aber die Frauenquote geht nicht?

Noch ein Beispiel von der fettesten Milchkuh des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: An den "Tatort"-Produktionen des Jahres 2019 waren weibliche Kameraleute nur zu zwei Prozent beteiligt. Es gebe ja keine Frauen, heiße es allgemein immer. Man hätte eine angerufen, aber die habe ja keine Zeit gehabt, berichtete Dixie Schmiedle für diesen Bereich. Dabei existiert das Netzwerk der Cinematographinnen, auf deren Website sich 67 Kamerafrauen mit ihrem Profil vorstellen. Also, jetzt muss es sein: ein Gender-Budgeting in allen öffentlich geförderten Produktionen. Da konnte Angelika Zacek vom Schwesterverein Pro Quote Bühne nur zustimmen.

Und das Projektbüro Frauen in Kultur und Medien, das die Bundesregierung seit 2017 finanziert und das gerade um drei weitere Jahre verlängert wurde, reicht dazu nicht aus. Das Mentorinnenprogramm, das dort organisiert wird, darf, so Barbara Rohm, „nicht als Feigenblatt für die Gleichstellung benutzt werden. Der in den Strukturen der Kulturbranche verankerte Sexismus kann nur durch Maßnahmen abgeschafft werden, die dafür sorgen, dass öffentliche Gelder geschlechtergerecht verteilt werden.“ Ohne Druck geschehe das nicht. Ohne Gesetz gäben die Männer nichts ab. „Es ist ja das Privileg der Privilegierten, dass sie ihr Privileg nicht spüren.“