Für die Theater sollen gleiche Regeln gelten wie für den Fußballbetrieb.
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BerlinFür den Bereich des Films werden derzeit Coronaschutz-Versicherungen ausgearbeitet, die mit einer Praxis der Quasi-Quarantäne arbeiten. Wenn Schauspieler sich verpflichten, mit einem eigenen Fahrzeug auf dem immergleichen Weg zum Set zu kommen und sich für die Zeit der Dreharbeiten Anderweltkontakte verkneifen, ist die Produktionsfirma für den Fall eventueller Erkrankungen versichert. Für diese Maßnahme hat sich der Stab von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, wie sie vergangenen Donnerstag bei der Pressekonferenz zur Kulturmilliarde stolz erwähnte, sehr eingesetzt.

Für die Berliner Theaterschauspieler setzt Kultursenator Klaus Lederer seine Hoffnungen jetzt auf regelmäßige Testung der Ensembles, „damit auf den Bühnen wieder Dinge mit Nähe passieren können“, wie er der dpa sagte. „Wenn wir unsere Einrichtungen wieder öffnen, dann möchte ich, dass zumindest so viel künstlerische Freiheit existiert, dass man keine Maskenspiel-Pläne machen muss. Jedenfalls dann nicht, wenn die Stücke keine Masken vorsehen.“ Recht hat er! Dass Theater wie Fußball sein soll, sagte ja schon Bertolt Brecht, und die Ballspielfreude namhafter Theaterstars ist legendär.  

Was nun die künstlerische Freiheit betrifft, so hat das Staatstheater Wiesbaden, das ja schon seit 18. Mai wieder Indoor-Aufführungen anbietet und dafür auch von der New York Times bestaunt wurde, gerade ein Wochenende mit drei extra angesetzten Beckett-Premieren hinter sich. Im Großen Haus sind 200 statt der 1041 Plätze freigegeben, im Kleinen 60 statt 300. Die maximal vier Schauspieler haben an Maske nur das, was man im Theater seit der Aufklärung meistens darunter versteht – ihr geschminktes Gesicht nämlich, für das sie selber zuständig sind, und werden locker auf der Bühne verteilt. Für das Publikum gilt Coronamaskenpflicht bis zum Sitz und sonst das übliche. Plus die Adressregistrierung beim Kartenkauf. Heimlich ins Theater ist nicht mehr, der Ausweis muss gezeigt werden.

Das gilt übrigens auch für die Freiluftveranstaltungen, wie sie jetzt in Berlin wieder angeboten werden dürfen. Statt des goetheschen „Vorspiels auf dem Theater“ ein Aufspiel vor dem Theater. Und an die berühmten Worte des Direktors im „Faust“-Vorspiel dürfte auch so mancher Berliner Abonnent mit Innenplatzanspruch inzwischen schon mal gedacht haben: „Der Worte sind genug gewechselt / Lasst mich auch endlich Taten sehen.“ Sehen wir uns zum Spielzeitanpfiff live und in Farbe?