Berlin - Angeregt plaudernd kommen die Schauspielerinnen Ursula Werner und Johanna Bantzer zusammen mit Regisseur Ari Benjamin Meyers in den Roten Salon. Ein bisschen so, als wollten sie am liebsten gar nicht aufhören mit der Probenkritik, in der sie soeben knappe zwei Stunden lang ihren Stückdurchlauf vom Nachmittag durch die Mangel nahmen. Nichts Ungewöhnliches, eigentlich. Aber gewöhnlich ist an der Produktion „Forecast“ („Vorhersage“), die Ari Benjamin Meyers bereits vor fünf Jahren zu schreiben begann und im vergangenen Coronajahr unverhofft ins Hamsterrad der Unvorhersagbarkeit geriet, eben gar nichts. Selten verschmolz ein Stück so kreuzweise mit der Realität wie hier. Vor einem Jahr sollte Premiere sein, was der Lockdown schon nach den ersten Probentagen vereitelte, dann fiel im Herbst ein zweiter Termin ins Coronaloch und nun endete auch der dritte Anlauf im Infektionsschutzgemenge.

Der Durchlauf an diesem Nachmittag ist trotzdem einer von dreien, der das Stück über die Klimakrise – vor allem über unsere unbegreifliche Lähmung vor ihrer Ansage – einer Handvoll Probenpublikum vorstellt. Zwei Mal noch, dann ist Schluss. Zwar wurden in den vergangenen Wochen zusätzlich fünf Kurzfilme aus dem Werk geschraubt, Ende Mai werden sie im Onlineportal der Volksbühnen zu sehen sein, aber eine große Aufführung gibt es nicht mehr, zumindest nicht jetzt, nicht hier. Und trotzdem spielen, feilen, verbessern die drei daran weiter, was das Zeug hält. Genau das aber ist auch der magische Kern des Projekts: das Niefertigwerden, Immerweiterversuchen – Probe als Gesellschaftsmodell.

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