Mit einem offenen Brief wenden sich die Berliner Generalmusikdirektoren, Chefdirigenten und Intendanten direkt an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Regierenden Bürgermeister Michael Müller sowie an Kultursenator Klaus Lederer und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop. Es handelt sich um einen Appell im Vorfeld der neuerlichen Ministerratsrunde, bei der am 3. März die weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und mögliche Lockerungen beraten werden sollen. „Räumen Sie der Kultur im Rahmen der Öffnungsszenarien den Platz ein, den die Studienlage zum Infektionsgeschehen für ZuschauerInnen in Theatern und Konzerthäusern legitimiert und den das Grundrecht auf Kunstfreiheit dringend erforderlich macht.“

Haben die Kulturinstitutionen bisher die restriktiven Maßnahmen zur Pandemie mitgetragen, fühlen sie sich durch die in der Diskussion befindliche stufenweise Öffnung ohne Grund hintangestellt und bringen entsprechende Argumente hervor.

„Wir fordern, die von uns geleiteten Institutionen zum nächstmöglichen Zeitpunkt, auf jeden Fall aber in Gleichklang mit dem Einzelhandel zu öffnen.“ Die Schließung der Kulturinstitutionen während des Lockdowns im November und Dezember des letzten Jahres sei „ohne spürbaren Effekt für das Infektionsgeschehen“ gewesen. Die Hygienekonzepte würden funktionieren, in diesen Einrichtungen sei das Infektionsrisiko am geringsten.

Die Unterzeichnenden nehmen Bezug auf den am Montag veröffentlichten, teils im eigenen Auftrag von 20 Experten erarbeiteten Leitfaden für die Rückkehr von Kultur und Sport. Darin werden Öffnungsszenarien konzipiert und aus verschiedenen Perspektiven wissenschaftlich begründet. Unter Berücksichtigung des Pandemiegeschehens, im Austausch mit Experten und bei der Weiterentwicklung der Hygienekonzepte kämpfe man „um das Fortleben der sozialen Rezeption von Kunst, um die Fortführung einer künstlerischen Auseinandersetzung in der Gesellschaft und für ein Wiederaufleben Berlins als Metropole der Kunst und Musik“.