Berlin - Zwei Tage hintereinander wurde die Corona-Infektionsinzidenzzahl in Berlin mit unter 100 angegeben, nachdem sie am Montag ein bisschen darübergelegen hatte. Es sind letztlich Formalitäten, aber woran sonst soll man sich halten? Und die Hoffnung der Theater, noch im Mai spielen zu dürfen, wächst. Wenn nämlich an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen der Wert unter hundert bleibt, wird die Bundesnotbremse gelöst und können die Länder wieder selbst über Lockerungen entscheiden. Das könnte ab dem 19. Mai der Fall sein. Zumindest Freilufttheater dürfte dann doch wieder möglich sein.

Das Deutsche Theater hat zwei aufwendige Außenspielstätten errichtet und scharrt mit den Hufen. Das Programm wurde kürzlich ohne Spieldaten unter dem Seufzer Coming Soon veröffentlicht. „Wir hoffen, dass unser Optimismus trägt und planen hier für das Pfingstwochenende die erste Premiere“, teilt die Pressestelle mit.  Auch das Berliner Ensemble will sein 100-Plätze-Hoftheater wieder bespielen. Das Ensemble der Volksbühne darf zum Ende der verunglückten Klaus-Dörr-Saison zumindest auf ein Abschlussfest hoffen, und die Schaubühne hat angekündigt, auf die Sommerferien zu verzichten und durchzuspielen, und zwar innen. Auch das könnte bald wieder erlaubt sein.

Im Kulturausschuss am Montag waren hoffnungsvolle Töne zu vernehmen, die das Berliner Ensemble veranlasst haben, nun erste konkrete Premierentermine für inhäusige Kopräsenz-Theaterveranstaltungen zu veröffentlichen. Das sind solche Theaterabende, wie sie der eine oder andere noch aus Vor-Corona-Zeiten in Erinnerung hat und wie sie für wenige Auserwählten am Beginn der Saison oder während des Pilotprojekts „Testing“ zu erleben waren: also mit Publikum in einem Saal.

Das Berliner Ensemble prescht also vor und teilt mit, dass am 3. Juni die Uraufführung von Thomas Köcks „wagner – der ring des nibelungen (a piece like fresh shopped eschenwood)“ in der Regie von Ersan Mondtag geplant sei. Die Premiere von Frank Castorfs Inszenierung von Erich Kästners „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“, die zunächst für März 2020 vorgesehen war und aufgrund der pandemiebedingten Schließungen bereits mehrmals verschoben werden musste, soll am 12. Juni stattfinden. „Sofern es die Umstände zulassen.“ Das Deutsche Theater hat für seine erste Indoor-Premiere noch keinen konkreten Termin, aber es darf hoffen, im Rahmen des Pilotprojekts René Polleschs neues Stück „Goodyear“ Ende Mai oder im Juni herausbringen zu können.

Die Räumlichkeiten sind von den Theatern aerosoltechnisch längst auf hygienischen Stand gebracht worden. Das Berliner Ensemble schlägt vor, die Veranstaltungen so ablaufen zu lassen, wie es bei besagtem Pilotprojekt der Berliner Kulturverwaltung ausprobiert wurde, also im Fall des BE mit 350 Plätzen in Schachbrettbestuhlung und dem Nachweis eines tagesaktuellen Negativtests bei der Einlasskontrolle.

Worauf nun noch warten? Zumindest mit Bleistift kann man sich die genannten Termine in den Kalender eintragen.