Berlin -  Als erste Berliner Bühne hat die Komische Oper Berlin entschieden, ihren regulären Spielbetrieb in der laufenden Saison nicht wieder aufzunehmen. Kurz: Die Saison ist abgesagt, sie hätte am 1. Juli geendet. Ausnahmen bilden voraussichtlich zwei Vorstellungen der Neuproduktion von „Der ‚Zigeuner‘baron“.  In Absprache mit der Senatsverwaltung für Kultur plant das Haus die Premiere sowie eine erste Folgevorstellung im Rahmen des Berliner Pilotprojekts „Perspektive Kultur“ durchzuführen, voraussichtlich Ende Juni. „Die Termine werden bekannt gegeben, sobald absehbar ist, dass die Lage weitere Planungsschritte zulässt“, hieß es in der Mitteilung der Komischen Oper vom Montag. Voraussetzung ist, dass die Inzidenzzahl unter 100 sinkt. Ein Sinfoniekonzert am 18. Juni werde als Stream realisiert.

„Wenn die Inzidenzzahlen sinken, können wir im Juni vielleicht noch etwas ansetzen“, sagte Andrea Röber, die Sprecherin der Komischen Oper. Aber für den regulären Spielplan, der ohnehin nur noch ein Notspielplan war, hätte der Vorverkauf bereits am 10. Mai beginnen müssen, also in einer Woche. Die Komische Oper sei zwar in Berlin das erste Haus, das sich zu diesem Schritt entschieden hätte, aber deutschlandweit nicht das einzige: Auch die Semperoper in Dresden und sämtliche Theater in Köln hätten die Saison abgesagt.

Die Proben am Haus laufen weiter. Nun richten sich die Energien auf die nächste Spielzeit. Derzeit werden Neuproduktionen und Wiederaufnahmen für die Saison  2021/2022 geprobt, die am 29. August mit der Premiere der Oper „Oedipe“ von George Enescu eröffnet wird. Das vollständige Programm für die nächste Saison wird am 21. Juni bekanntgegeben und am 22. Juni auf der Website der Komischen Oper veröffentlicht.

Die großen Berliner Sprechtheater, die auf ihre Streaming- und Online-Spielpläne hinweisen, haben die Saison noch nicht ganz aufgegeben. Auch an den beiden wegen Problemen abseits von Corona krisengeschüttelten Häusern, der Volksbühne und dem Gorki-Theater, laufen offiziell die Planungen für etwaige Präsenzveranstaltungen weiter. Die Volksbühne betrifft die Pandemie in besonderer Weise, weil ab der nächsten Saison René Pollesch die Leitung des Hauses übernimmt, und damit die meisten aktuellen, teilweise noch gar nicht oder nur per Videoübertragung zur Premiere gekommenen Produktionen für immer vom Spielplan verschwinden.

Die Schaubühne spielt den Sommer durch

Das Deutsche Theater und das Berliner Ensemble geben sich kämpferisch, wenn auch nicht sehr optimistisch. Man wartet noch ab. Beide Häuser haben auch Vorkehrungen für eine Freiluftbespielung getroffen. Und wenn die Inzidenzen im Mai oder Anfang Juni noch unter 100 fallen, dann komme es darauf an, wie schnell das Land reagiert, denn dann greifen die Regeln der Bundesnotbremse nicht mehr. „An uns soll es nicht liegen.“

Das Theatertreffen, das am 13. Mai beginnt, ist digital durchgeplant. Es wird keine Präsenzveranstaltungen geben, die Zehnerauswahl der bemerkenswertesten Inszenierungen wird per Live-Aufzeichnung oder Live-Stream präsentiert. Auch alle Gesprächsformate laufen im Internet.

Die Schaubühne rechnet frühestens im Juni mit Präsenzveranstaltungen. Dafür hat das Haus die Theaterferien abgesagt. Wenn alles gut geht, spielt das Theater den Sommer durch.