Die Schauspielerin Heide Kipp ist mit 84 Jahren gestorben

Benno Besson holte Heide Kipp 1971 an die Volksbühne, wo sie 30 Jahre bis zur Rente spielte. Auch für ihre Defa-Rollen bleibt sie in Erinnerung.

Heide Kipp (1938-2022). Hier in einem der letzten Defa-Filme „Biologie!“ (1990) 
Heide Kipp (1938-2022). Hier in einem der letzten Defa-Filme „Biologie!“ (1990) Dieter Jaeger/MDR/DEFA-Stiftung

Frau Vogel, die Nachbarin von Frau Mogel, war sicher nicht die wichtigste Rolle von Heide Kipp, aber sie hat sich eingeprägt und steht gut für ihr auch komödiantisches Talent. In dem Defa-Kinderfilm „Spuk im Hochhaus“ (1982) nimmt Frau Vogel mit Bohnerwachs Rache dafür, dass Frau Mogel sie für ihre Sangesübungen kritisiert. Bohnerwachs ist sehr rutschig. Und die Schadenfreude in Heide Kipps Gesicht schön glatt.

Wie die Volksbühne in Berufung auf die Familie mitteilt, ist Heide Kipp bereits am 15. Dezember überraschend, aber friedlich im Alter von 84 Jahren gestorben. Heide Kipp war dem Haus über Jahrzehnte hinweg als Ensemblemitglied verbunden und trat zuletzt in Inszenierungen von Christoph Marthaler auf, bis sie 2003 in Rente ging und nur noch sporadisch in ihrem Beruf arbeiten konnte, weil es die Gesundheit nicht zuließ.

Zwei Flüge mit der Volksbühne

Heide Kipp hat eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert, bevor sie ihrem Kindheitstraum nachging, sich an der Schauspielschule Berlin bewarb, die sie annahm und nach Abschluss 1961 gleich ans Deutsche Theater weiterreichte. Sie blieb nur zwei Spielzeiten, um dann an das neu aufbrechende Hans-Otto-Theater nach Potsdam zu wechseln. Hier bekam sie mehr zu spielen und konnte Erfahrungen sammeln, bevor Benno Besson sie 1971 an die Volksbühne holte und mitfliegen ließ, als das Theater seine große Zeit erlebte. Heide Kipp spielte in Inszenierungen von Manfred Karge, Matthias Langhoff, Besson und Fritz Marquardt, eroberte sich einen zentralen Platz in einem großen, glänzenden Ensemble.

Als die Volksbühne nach dem Weggang von Besson schwer durchhing, trat sie häufiger auch in Defa-Filmen auf, unter anderem als Solo Sunnys Freundin Elfie. Sie spielte bei Rainer Simon, Siegfried Kühn, Helmut Dziuba, später auch im Fernsehen bei Bernd Böhlich und Bodo Fürneisen. Als Frank Castorf 1992 die Volksbühne übernahm, waren die meisten im Ensemble unkündbar, so auch Heide Kipp. Dass Castorf viele dieser Schauspieler zu einem Pfund seiner Ästhetik machte und für sein Theater gewinnen konnte, ist ihm hoch anzurechnen. Heide Kipp half mit, seine frühen Monsterinszenierungen zu tragen: „Pension Schöller, die Schlacht“, „Die Sache Danton“, „Die Nibelungen“. Bei Marthaler fand sie mit der historischen „Murx“-Inszenierung ihre letzte Theaterheimat, und mit seiner Barthleby-Adaption „Lieber nicht“ trat sie viel zu früh von der Bühne ab.