Die Momente, in denen das Theater Funken schlägt, sind rar. Unter den herkömmlichen Bedingungen ist es schön, solche Momente zu teilen. Aber auch im ausverkauften Theatersaal erlebt man sie oft allein. Dem Staatstheater Augsburg ist es gelungen, einen solchen Moment haltbar und transportabel zu machen. Der Postbote bringt ihn mir in einem Schuhkarton an die Tür. Darin liegt eine aufgeladene VR-Brille, die man sich nur über den Kopf stülpen muss, und schon geht es los.

Der Wow-Effekt des bewegten Rundumblicks hält zwar nicht besonders lange an, bekommt aber in den schwarzweißen 360-Grad-Aufnahmen des derzeit entkernten großen Augsburger Hauses immer neues Futter: stürzende Linien, beeindruckende Dimensionen, schwindelerregende Abgründe. Der würdig gekleidete Schauspieler Klaus Müller schreitet brabbelnd durch den Staub dieser Räume. Später spricht er Einar Schleefs kurzen Monolog „14 Vorhänge“ über einen Stadttheatermimen, der Abschied von der Bühne und vom Leben nimmt – ein Abgang unter pathetisch gesprungener Bedeutungsglocke. Gut genug.

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