Berlin - Auf der Internetseite der Volksbühne veröffentlicht das Ensemble eine Stellungnahme nach dem Rücktritt seines Intendanten Klaus Dörr: „Wir bekunden unsere uneingeschränkte Solidarität mit den Frauen, die sich an Themis gewandt haben, und allen anderen Betroffenen solcher Vorfälle.“ Zehn Mitarbeiterinnen hatten sich an die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung gewandt und sich bei der Kulturverwaltung über den Intendanten Klaus Dörr beschwert. Daraufhin leitete die Behörde ein Untersuchungsverfahren nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz ein, sprach mit den Betroffenen, lud Dörr zu einer Anhörung und arbeitete an der Auswertung der Anhörung. 

Nachdem am Wochenende die taz eine Recherche darüber veröffentlichte und viele Medien darüber berichteten, trat der Intendant am Montag im Einvernehmen mit dem Kultursenator zurück. Das Ensemble konstatiert, dass die Branche an veralteten Machtstrukturen kranke und appelliert an die Kulturpolitik: „Wir fordern eine transparente Debatte und gründliche Auseinandersetzung, wie künftig Machtmissbrauch, sexuelle Übergriffe und Diskriminierung in unserem Arbeitsfeld verhindert werden können. Wir sind tief erschüttert und durchlaufen einen Lernprozess – mit Klaus Dörrs Rücktritt darf dieser Diskurs nicht enden.“

Aus den Recherchen der taz ging auch hervor, dass die größtenteils anonymen Beschwerdeführenden sich nicht einig waren in der Vorgehensweise und nicht alle den Schritt an die Öffentlichkeit gehen wollten. Die Verträge sämtlicher Ensemble-Mitglieder, die noch nicht 15 Jahre am Haus sind und den Status der Unkündbarkeit erlangt haben, laufen mit dieser Spielzeit aus.  Dann übernimmt René Pollesch mit seinem Ensemble die Volksbühne.