Berlin - Vorweg gleich das Neue: Selten sah man eine so sauber aufgeräumte Bühne bei Frank Castorf, wie an diesem Abend. War es die 15-monatige Aufräumpause zwischen der ursprünglich für März 2020 geplanten Premiere und ihrer späten Realisierung jetzt? Natürlich nicht. Auch zeichnet nicht Castorf, sondern Aleksandar Denic, der kongeniale Bühnenbaumeister, für die neue Übersichtlichkeit verantwortlich und die wiederum entstammt jener neuen Sachlichkeit, die den Hintergrund von Erich Kästners Roman „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (1931) bildet. Dabei geht es in der aphoristisch satirischen Erzählung über den Werbetexter Fabian, der sich durch den Berliner Großstadtdschungel der späten Zwanzigerjahre treiben lässt, und seinen unglücklichen Freund Labude ganz und gar nicht geordnet, geschweige denn sauber zu. Es beginnt gleich im Bordell, schreitet fort durch immer bizarrer ausfallende Varietés und Freak-Etablissements bis der „Fachmann in Planlosigkeit“, so Fabian über sich selbst, aus Versehen im dreckigen Elbewasser endet. Aus der unbeschwert volatilen Melancholie des Protagonisten und Kästners aufgeräumt pointierter Sprache baut sich Denics stilvolle Bauhausbühne dennoch fast wie von selbst.

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