Ein Denker im Reiche des Spiels: „Dramaturgie des Daseins“ von Carl Hegemann

Der Philosoph, Dramaturg und bestgelaunte Kunsterklärer Deutschlands hat eine Sammlung mit Texten aus 15 Jahren veröffentlicht.

Carl Hegemann in der Badewanne (Abbildung aus dem besprochenen Band)
Carl Hegemann in der Badewanne (Abbildung aus dem besprochenen Band)Vegard Vinge

Berlin-Schöner als Christoph Schlingensief kann man Carl Hegemann kaum beschreiben: „Ich hatte oft Ressentiments Dramaturgen gegenüber, aber dann ist da einer wie Carl Hegemann: Er hört einen Satz und fängt sofort an, etwas ganz anderes zu erzählen. Oder er macht ein Treffen aus, das dann nicht zustande kommt, weil er gerade ein Interview gibt und irgendwas von japanischen Künstlern oder über die Marktwirtschaft erzählt. Das ist eine Qualität, die mich total fasziniert an ihm. Ohne Carl und seine Gedanken wären viele meiner Arbeiten niemals entstanden.“ Das Schöne an diesen Sätzen ist auch, dass man sie ohne wesentliche Änderungen spiegeln, also auf Christoph Schlingensief beziehen und sie Carl Hegemann in den Mund legen könnte. Und während sich die beiden in ihre Wolken, Fernen und Tiefen ihrer Denkwelten entheben, bleibt man selbst zurück auf dem eher langweiligen Pflaster der geordneten Kausalitäten und im beengenden Netz der Zwecke. Zwar ist Schlingensief nicht mehr bei uns, aber zumindest bei Carl Hegemann kann man sicher sein, dass er mit seinen Gedankenkreisen immer mal wieder vorbeikommt und uns ein Stück mitnimmt.

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