Berlin - Huch, schon wieder zu Ende? Diese Frage gehört zum Standardprogramm eines René-Pollesch-Abends, wie er jetzt am Deutschen Theater nach über einem halben Jahr als erste Indoor-Veranstaltung über die Bühne ging. Dieser Moment, in dem sich keiner zu klatschen traut, weil vielleicht doch noch einer aus der Gasse kommt, zieht sich verdächtig in die Länge an diesem frühen Mittwochabend, nach einer guten Stunde Spielzeit. Vielleicht hat das theaterentwöhnte, durchgetestete und maskierte Publikum einfach vergessen, was man macht, wenn die Vorstellung vorbei ist?

Doch dann setzt er natürlich ein, der Applaus. Ein schöner, zugewandter, dankbarer, erleichterter Applaus, ein Applaus, der auch die Wiederentdeckungsfreude über die so lange unterbliebene Tätigkeit des Applaudierens transportiert. Als dann gar eine langstielige rote Rose mittig vor die Rampe fliegt, gibt es erneut eine kleine Irritation, ein zartes Zögern. Was tun mit der schönen Blume? Von der Bühne steigen? Aufheben? Wieder hochkraxeln? Und wem der fünf sich Verbeugenden mag sie wohl zugeeignet sein? Aber die Frage hatte sich noch nicht ganz ausformuliert, da war Sophie Rois schon von der Seite heran-, in den Graben hinab- und wieder auf die Bühne hinaufgeschwebt, mit dem Stängel zwischen den Zähnen und einem rotblättrig geschmückten Lächeln der Souveränität im Gesicht. Das ist die Schönheit der Unmittelbarkeit. Darum geht es an diesem Abend. Unter anderem.

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